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Achim Kluck

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Unser Urlaub auf Lanzarote vom 2. bis 17. März 2008

Teil 1

Urlaubsplanung
Die Idee, wieder einmal nach Lanzarote zu fliegen, kam durch folgenden „Umstand“ zustande: Am 5. Januar war mein Vater im Alter von 88 Jahren nach längerer Krankheit (Bauchspeicheldrüsenkrebs) gestorben. Nun lag die Verantwortung für meine 85 jährige Mutter ganz alleine bei mir, da meine Schwester im April letzten Jahres ebenfalls an Krebs verstorben war. Als ich meiner Mutter die Nachricht vom Tode meines Vaters überbrachte sagte sie kein Wort, sondern fasste sich nur ans Herz und wurde kreidebleich im Gesicht. Ich dachte, sie würde jeden Moment einen Herzinfarkt erleiden. Natürlich wusste sie, wie krank mein Vater gewesen war, aber sie wollte es einfach nicht wahr haben. Immer wieder hoffte sie, dass er wieder gesunden würde, vielleicht auch deshalb, weil sie Angst vor dem Alleinseine hatte, schließlich waren sie fast 60 Jahre verheiratet gewesen. Am Tag der Trauerfeier zur Einäscherung ging es ihr gesundheitlich sehr schlecht. Sie hörte plötzlich Stimmen, die zu ihr sprachen und meinte, es wären fremde Menschen in ihrer Wohnung. Da sie schon seit Monaten ihre Medikamente gegen Drehschwindel nicht eingenommen hatte, konnte sie sich auch nicht alleine auf den Beinen halten. Ich fuhr noch vor der Trauerfeier mit ihr zu meinem Hausarzt, der sie mit Medikamenten versorgte. Da er sah, wie erschöpft und nervös ich war, gab er mir eine Spritze, verschrieb mir Tabletten und meinte, ich solle die nächsten 2 Wochen zu Hause bleiben und mich erholen. Leichter gesagt, als getan! Schließlich gingen mir tausend Dinge durch den Kopf: Was sollte nun aus meiner Mutter werden? Da ich noch berufstätig bin konnte ich mich nicht täglich um sie kümmern. Aber alleine lassen konnte ich sie auch nicht. Ohne meinen Vater war sie völlig hilflos. 
Ein paar Tage später suchte ich mit meiner Mutter eine Kurzzeitpflege in Oerlinghausen auf, wo ich sie gerne für einige Zeit untergebracht hätte, wenigstens, bis für sie ein Platz im hiesigen Altenheim frei war, wo ich sie schon angemeldet hatte. Doch sie fühlte sich dort nicht wohl und wollte nicht bleiben. Also nahm ich sie übers Wochenende mit zu uns, wo sie in Achims Bett übernachtete. Achim schlief so lange auf der Coach im Wohnzimmer. Als es ihr etwas besser ging brachte ich sie in ihre Wohnung zurück. Da ich noch krank geschrieben war fuhr ich jeden Morgen zu ihr und kümmerte mich um sie, so gut ich es konnte. Durch den Tod meines Vaters hatte sie jedoch jeden Lebenswillen verloren und wurde von Tag zu Tag hinfälliger. Wenn ich nach Hause fuhr legte ich ihr ihre Medikamente für den nächsten Morgen zurecht. Am anderen Morgen hatte sie selbständig welche aus den Schachteln genommen und im Pillendöschen verteilt. Da es so nicht weitergehen konnte, ließ ich mir von ihrem Neurologen, der eine beginnende Demenz bescheinigte, ein Rezept über häusliche Pflege ausstellen. Morgens und abends kam nun jemand von der Diakonie, der ihr ihre Pillen gab.
Am Freitag, den 18.1. klagte sie über Übelkeit und Erbrechen. Aber, so beteuerte sie mir, Schmerzen hätte sie keine. Samstag besuchte ich sie einmal nicht, denn ich brauchte einfach einen Tag für mich alleine. Als ich am Sonntag bei ihr war, ging es ihr noch nicht besser. Ich  wollte sie mit zu mir nehmen und mit ihr am anderen Morgen zum Arzt gehen. Doch sie meinte, sie würde zuhause in ihrem Bett besser schlafen und ich solle mir keine Sorgen machen.
Montagmorgen fuhr ich schon gegen 7 Uhr zu ihr. Schon im Hausflur beschlich mich ein komisches Gefühl. Ich schloss die Wohnungstür auf und sah meine Mutter auf dem Fußboden liegen. Die Schwester von der Diakonie schob mich sofort in die Küche. „Was ist mir ihr? Ist sie etwa tot?“ fragte ich. „Ja“, antwortete die Schwester. „Ich fand sie, als ich vor 10 Minuten kam. Der Rettungsdienst und die Polizei sind im Wohnzimmer.“ Plötzlich verspürte ich einen furchtbaren Schmerz in meiner Brust, der in den Rücken und in den linken Arm ausstrahlte. Als die Schwester mich endlich ins Wohnzimmer ließ setzte ich mich in den Sessel und flüsterte immer wieder: „Es tut so weh, es tut furchtbar weh!“ Dann rief ich Achim, Heike und meinen Schwager Willi an. Alle drei versprachen so schnell wie möglich zu kommen. Der Notarzt war inzwischen wieder gegangen und auch die Sanitäter fuhren weg. Lediglich die Polizisten blieben bis zum Eintreffen des Hausarztes, der ihren natürlichen Tod feststellen sollte.
Als Achim bei mir war ging es mir immer noch sehr schlecht. Wir mussten fast 30 Minuten warten, bis endlich der Hausarzt kam. Er schaute sich meine Mutter an und bescheinigte als Todesursache Herzversagen. Auf Bitten von Achim hin sah er nun auch nach mir. Nachdem ich ihm meine Beschwerden geschildert hatte gab er mir sofort ein Nitroglycerinspray und rief erneut den Rettungswagen. Mit Blaulicht wurde ich ins Bielefelder Krankenhaus in die Kardiologie gebracht. Nach der Kathederuntersuchung wurde mir gesagt, dass sich durch den Stress und die Aufregung eine Arterie gedehnt hätte, die die Schmerzen verursachten. Um eine versteckten Herzinfarkt aufzudecken bzw. auszuschließen wurden noch eine Ultraschalluntersuchung und eine Kernspinn gemacht. Von Montag bis Freitag blieb ich im Krankenhaus. Auf meine Bitte hin wurde ich dann endlich entlassen und begab mich in weitere Behandlung bei meinem Hausarzt. Er verschrieb mir diverse Herztabletten und für die nächsten 2 Wochen arbeitsunfähig. Schon im Krankenhaus wurde mir geraten, mit der „Trauerarbeit“ zu warten bis es mir gesundheitlich besser ginge.
Noch während meines Krankenhausaufenthaltes reifte in uns die Idee sobald wie möglich Urlaub zu machen. Da es um diese Jahreszeit nicht viele Urlaubsorte gab, wo es vom Klima her angenehm warm war – jedenfalls nicht, ohne einen langen Flug auf sich zu nehmen – fiel mir nur Lanzarote ein.
Im Mai 1979 war ich das erste Mal auf Lanzarote gewesen und begeistert. Weil es mir so gut gefiel flog ich die folgenden 5 Jahre immer wieder dort hin. Im Juni 1998 wollte ich mit der Freundin einer Arbeitskollegin zusammen in Urlaub fahren bzw. fliegen. Sofort dachte ich  an Lanzarote als Urlaubsziel. Im September verbrachte ich zwei wunderschöne Wochen auf der Vulkaninsel.
Nachdem wir Lanzarote als unser Urlaubsziel ausgewählt hatten, gingen wir in ein Reisebüro um den Urlaub zu buchen. Wir entschieden uns für den etwas ruhigeren Ort Playa Blanca im Süden der Insel. Er gilt als Lanzarotes Badewanne, denn hier liegen die schönsten Badestrände. Wir wählten eine Bungalowanlage etwas abseits der Ortschaft. Als Reisetermin kam nur noch der 2. März in Frage. Wegen der Osterferien um diese Zeit waren alle anderen Termine ausgebucht.
Als wir abends zusammen saßen holte ich meine Dias von Lanzarote hervor und zeigte sie Achim. Auch er freute sich schon auf die Insel.

Am 5. Februar besuchten wir wie jedes Jahr die Jagd & Hund in Dortmund. Dort kauften wir uns einen Rutentransportkoffer, der 6 Ruten fassen sollte. Nun hieß es abzuwägen, welche Ruten ich mitnehmen sollte. Bisher hatte ich ja lediglich ein paar Mal in der Ostsee geangelt und „vorsichtshalber“ wenigstens 6 Ruten mitgenommen. Jetzt musste ich mich für 3 entscheiden, was mir nicht leicht fiel.
Auf der Messe sah ich an einem Stand Lutz Hüssle stehen. Ich ging hin und sprach ihn an. Zuerst fragte ich ihn nach der CD übers Feederfischen, die er im letzten Jahr herausbringen wollte. Er erzählte mir, dass er sich von der Firma Balzer getrennt und jetzt einen eigenen Angelladen aufgemacht hätte. Die CD sei noch nicht herausgekommen, aber er wäre dabei den Film fertig zu stellen. Dann fragte ich ihn, ob er mir einen Tipp geben könnte, wie ich auf Lanzarote angeln sollte. Er meinte, für das Fischen auf Meeräschen sollte ich eine Sbirolinorute bzw. 3,90 m Matchrute mitnehmen. Als Köder würde er Schwimmbrot empfehlen. Um die großen Fische anzulocken, sollten wir ca. 50 cm von der Stelle, wo der Sbriolino im bzw. auf dem Wasser liegt, ein halbes Baguettebrot ins Wasser werfen, das die Futterfische und somit die Räuber anlocken würde.

Nach langen Überlegungen entschied ich mich, meine 3,90 m lange Magna Matrix Feederrute von Balzer, der auf der Messe neu erworbenen 3,90 m langen Tele-Matchrute von Aquarius und eine 2,40 m lange Spinnrute mitzunehmen. Meine Rhino Big Fish Rute passte leider nicht mehr ins Transportrohr.
Als ich daran dachte, was neben den Angelrollen sonst noch alles an Angelsachen mitgenommen werden musste, geriet ich gleich wieder in Panik. Für jeden von uns waren 20 kg Freigepäck erlaubt, aber ich war mir sicher, dass wir damit nicht hinkommen würden, trotz der wenigen Kleidungsstücke, die wir mitnehmen wollten. Allein die Angelsachen würden sicher schon 20 kg wiegen, dachte ich.
Meine Urlaubsliste wurde von Tag zu Tag länger. Es mussten an Angelsachen mit: Feederrutenständer, Kescher, Schere, Messer, Zange, Zentimetermaß, Gaff, Wobbler, Gummifische, Blinker, Blutlöffel, Bleie, Haken, Wirbel und auch Meeresvorfächer. Außerdem noch 2 Gläser mit Power Bait, Schwimmbrot, Stoppergummi und Gummiperlen. Oh Gott! Wo sollte ich das alles unterbringen? Mit dem Auto war es kein Problem die Sachen zu transportieren, aber im Flugzeug ging so etwas natürlich nicht. Schon jetzt war mir klar, dass wir Übergepäck haben würden.
Gott sei Dank brauchten wir für das Hochseeangeln, welches wir dort unbedingt einmal machen wollten, keine Ruten mitzunehmen. Die wurden auf den Booten zur Verfügung gestellt.
Am Samstag, den 23.2. gingen wir ins Reisebüro um unsere Tickets abzuholen. Die Bestätigung für die Anmeldung unseres Sportgepäcks war immer noch nicht da, obwohl es schon vor 4 Wochen bzw. bei unserer Buchung angemeldet war. Wir sollten gerade unsere Tickets ausgehändigt bekommen, als im Reisebüro ein Fax einging, worin stand, dass sich der Weiterflug von Gran Canaria nach Lanzarote um 2 Stunden verschoben hätte. Außerdem wurden neue Tickets übersandt. Am Montagnachmittag rief das Reisebüro an und teilte uns mit, dass die Bestätigung für das Sportgepäck endlich eingegangen sei. Nur die aktuellen Tickets waren immer noch nicht da.
Am Mittwoch, den 27.2. waren wir erneut im Reisebüro um nach unseren Tickets zu fragen.
Die Bestätigung für das Sportgepäck war endlich da, aber es stand eine falsche Abflugzeit von Gran Canaria auf dem Zettel. „Sie müssen leider am Freitag noch einmal kommen. Bis dahin habe ich die richtige Bescheinigung, so hoffe ich“ wurde uns erklärt.
Also fuhren wir am Freitag nach Feierabend noch einmal zum Reisebüro. Tatsächlich bekamen wir endlich die richtige Bescheinigung ausgehändigt.

Einen Tag vor unserem Abflug, also am Samstagabend, fuhren wir nach Bielefeld, wo es einen Vorabend-Check-in-Schalter gab. Als wir unser Reisegepäck aufgaben bekam ich Herzklopfen. „Hoffentlich“, so betete ich für mich, „klappt das mit dem Gepäck.“ Achim hatte das Sportgepäck mit einer Länge von 2 m angegeben. Tatsächlich waren es dann aber 2,10 m. In dem Transportrohr waren nämlich nicht nur unsere 6 Ruten, sondern auch Rollen, Bleie, Stativ u.a. untergebracht. Und es wog etwas über 20 kg. Auch unsere beiden Koffer wogen etwas mehr als 40 kg. Aber es gab überhaupt keine Probleme. Zufrieden fuhren wir nach Hause.

1. Tag (Ankunft)
Am Sonntag, den 2. März 2008, war es endlich soweit. Pünktlich um 3.00 Uhr klingelte der Wecker. Trotz meines Reisefiebers hatte ich ganz gut geschlafen. Gegen 5.00 Uhr trafen wir am Flughafen ein. Wir stellten unser Auto auf dem kostenfreien Parkplatz ab und gingen zur Abflughalle. Es stürmte und regnete wie aus Eimern.  Als wir die Abflughalle betraten waren wir bis auf die Knochen nass. Ich zog meine triefende Regenjacke aus und hängte sie über einen Stuhl. Darunter hatte ich nur ein T-Shirt an und mir wurde etwas kalt.

Als die Sicherheitskontrolle bevorstand waren meine Nerven zum Zerreißen gespannt. Seit sie massiv verschärft worden sind, bin ich noch nicht wieder geflogen. Ich zog meine Jacke aus, leerte meine Hosentasche und legte alles zusammen mit dem Bordcase und dem Laptop auf Band. Nachdem ich problemlos durchgegangen war, musste ich das Laptop aus dem Koffer nehmen und es öffnen. Dann wurde es noch einmal abgetastet. Erst dann konnte ich alles wieder einpacken und weitergehen. 
Um 6.20 Uhr, 10 Minuten später als vorgesehen, startete unsere Maschine mit der Flugnummer X32228 vom Flughafen Paderborn/Lippstadt nach Las Palmas (Gran Canaria), wo wir um 10.05 Uhr (Ortszeit) landeten.
Bis zum Weiterflug um 14.00 Uhr gingen wir in erst einmal durch das Flughafengebäude um nachzusehen, wo wir später einchecken sollten . Unterwegs fiel uns das Schild „Terrasse/Raucher“ auf.  Gezielt steuerten wir darauf zu, um uns endlich eine Zigarette anstecken zu können . Wir setzten uns bei herrlichem Sonnenschein auf die Terrasse, tranken jeder ein Glas Bier (2 halbe Liter kosteten stolze 11,30 €!) und schauten den Flugzeugen beim Starten und Landen zu. Da wir langsam Hunger verspürten gingen wir zurück in die Halle und bestellten uns eine Pizza. Anschließend schlenderten wir erneut durch die riesige Halle. Die Zeit bis zum Weiterflug wollte einfach nicht vergehen! Durch einen anderen Ausgang, der in der Nähe des Abflugschalters lag, gingen wir noch einmal auf die Terrasse. Da wir mit der Binger-Airlinie weiterfliegen sollten hielten wir Ausschau nach ihr. Es standen 3 Stück von den Propellermaschinen auf dem Hanger, aber wir wussten nicht, welche davon unsere Maschine sein würde. Als unser Flug aufgerufen wurde, brachte uns ein Bus zu unserer Maschine. Es war nicht die Binger-Air, sondern ein Flugzeug der Airportgesellschaft Future mit der Flugnummer NT 0524, mit der überwiegend Einheimische (Spanier) flogen.
Wir starteten pünktlich und landeten 35 Minuten später auf Lanzarote. Für mich war es, als wäre ich in meiner alten Heimat angekommen, so glücklich war ich.
Nun hieß es Ausschau nach dem Gepäck halten. Ich beobachtete den Transportwagen und sah ganz oben auf dem Stapel mit den Koffern unser Rutenrohr. „Gott sei Dank ist es dabei“ dachte ich erfreut. Doch als der Wagen sich in Bewegung setzte sah ich mit Entsetzen, wie sich das Rohr immer weiter nach vorne schob. Mein Puls fing zu rasen an. „Ach du lieber Gott!  Das Rohr fällt gleich runter!“, rief ich aufgeregt. Im selben Moment hielt jedoch der Transportwagen an, da er das Beförderungsband erreicht hatte.
Mein Puls beruhigte sich wieder. Nicht auszudenken, wenn es herunter gefallen wäre!!!

Schon in Deutschland hatten wir uns einen Leihwagen von Avis gemietet. Wir gingen mit unserem Gepäck zum Ausgang und schauten uns nach der Avis-Vermietung um, aber wir konnten keine entdecken. Während Achim durch die Halle streifte erspähte ich eine Dame von unserer Reisegesellschaft. Ich ging auf sie zu und fragte nach der Avis-Vermietung. „Da müssen sie in die Halle 1 gehen, dort wartet man schon auf Sie. Normalerweise kommen die Touristen dort an, aber da sie ja von Las Palmas kommen hatten sie einen Inlandflug und sind in einer anderen Halle angekommen. Ich bringe Sie dort hin.“ Ich winkte Achim zu mir. „Schatz, wir sind hier falsch. Wir müssen in die andere Halle, wo die Touristen ankommen.“ Wir folgten der Reiseleiterin mit unserem Gepäckwagen und dem Rutentransportrohr. Nach einer langen Wegstrecke waren wir endlich am Ziel. Wir erhielten nach einigen Formalitäten den Wagenschlüssel und machten uns auf den Weg in die Tiefgarage, wo die Mietwagen standen. Auch hier hieß es wieder erst einmal suchen. Ich blieb bei unserem Gepäck stehen, während Achim nach dem Wagen Ausschau hielt. Nach ca. 5 Minuten kam er mit dem Auto angefahren. Er war natürlich kein Opel Corsa , wie wir ihn gemietet hatten, sondern ein VW Polo. Da sich die Rückbank nur im Ganzen runterklappen ließ konnte ich mich nicht hinter dem Fahrersitz hinsetzen. Aber Achim brachte geschickt unsere beiden Koffer, die beiden Bordcase  und das Laptop unter. Das Transportrohr schraubte er auseinander und legte beide Teile ins Auto. Als wir uns auf den Weg nach Playa Blanca machten schwitzten wir beide. Nicht nur wegen der 23° C, sondern auch wegen der stressigen Minuten, bis alles verpackt war.
Obwohl ich die Straßenführung noch sehr gut in Erinnerung hatte, holte ich die Inselkarte hervor und schaute darauf. Früher war ich immer durch Puerto del Carmen gefahren, wenn ich nach Playa Blanca wollte und so staunte ich nicht schlecht, als wir der Schnellstraße folgten, die uns über Macher und Yaiza nach Playa Blanca führte und wir plötzlich an den Salinen bei Las Salinas vorbei kamen:„Schatz, schau mal nach rechts. Dort sind die Salinen.“
Wir brauchten ca. 30 Minuten bis wir in Playa Blanca waren. Achim hatte vorsorglich eine Wegbeschreibung zu unserer Hotelanlage aus dem Internet ausgedruckt, so dass wir ohne Schwierigkeiten die Bungalow-Anlage fanden.
Gegen 16 Uhr standen wir an der Rezeption von „Atlantic Gardens“ und nahmen den Schlüssel für unseren Bungalow in Empfang. Unser Bungalow hatte die Nummer 317. Zuerst einmal schauten wir uns unsere Unterkunft an. Das Gepäck ließen wir vorerst im Auto. Sie war nicht besonders groß, aber für unsere Zwecke war sie vollkommen ausreichend. Und vor allen Dingen – das fiel uns sofort auf – war es dort sehr ruhig. Das war genau das, was wir so dringend benötigten: Ruhe und Abstand.
Als wir unser Gepäck aus dem Auto holten ließen wir uns an der Rezeption gleich noch
einen Schlüssel für den Safe aushändigen, den es in jedem Bungalow gab.  Nachdem wir unsere Koffer ausgepackt hatten gingen wir erst einmal zur Strandpromenade, die nur einige Meter weiter anfing. Am Strand sahen wir 3 Männer, die am Angeln waren. „Das gibt’s doch nicht. Hier wird tatsächlich geangelt“ rief ich erfreut.  „Dass ist mir früher nie aufgefallen.“ Achim grinste mich an und meinte: „Warum soll denn hier nicht geangelt werden? Es ist ein Gewässer wie jedes andere auch. Schau mal dorthin. Siehst du den Mann?  Der hat nicht mal eine Rute, der angelt mit einem langen Stock. Da sind wir mit unseren Feederruten aber viel besser ausgerüstet! Aber um diese Zeit fangen die bestimmt nichts Großes. Erst ab 22 Uhr kommen die richtig großen Fische ans Ufer.“
Erschrocken fragte ich:„Willst du etwa im Dunkeln auf diesen Steinen rumlaufen? Das ist nichts für mich. Nee, das traue ich mir nicht zu.“
„Du kannst dich ja vor den Fernseher setzen, während ich angeln gehe“ erwiderte Achim.
„Du weißt ganz genau, dass ich das nicht tun werde. Natürlich werde ich zum Angeln mitgehen. Aber ob ich selber auch angeln werde weiß ich noch nicht.“
Auf dem Weg zurück zu unserer Unterkunft kamen wir an einem Supermarkt vorbei. Da er noch geöffnet war gingen wir hinein und kauften erst einmal das Nötigste ein. Vor allen Dingen kauften wir eine 5-Liter-Flasche Wasser zum Kaffeekochen. Das Wasser, das aus dem Kran kommt, sollte man nur zum Waschen benutzen. Vom Trinken wird den Touristen dringend abgeraten.
Gleich neben dem Supermarkt war ein Restaurant. Wir setzten uns auf die Terrasse, bestellten uns ein Bier und etwas zu Essen. Obwohl ich aus Erfahrung wusste, dass es recht kühl wird, wenn die Sonne untergeht, hatte ich keine Jacke mitgenommen. Es dauerte auch nicht lange und ich fing zu frieren an. Gegen 19 Uhr waren wir wieder in unserem Bungalow. Wir gossen uns noch ein Bier ein und schauten uns den ersten Teil von „Die Gustloff“ an. Ich war so müde, dass ich das Ende des Films nicht mehr schaffte.

2. Tag
Obwohl ich die Nacht sehr gut geschlafen hatte, wachte ich schon gegen 6 Uhr auf. Ich konnte immer noch nicht abschalten, denn ich hatte nachts wieder von dem Ausräumen der Wohnung meiner Eltern geträumt. Ich stand auf und ging nach draußen. Die Sonne war noch nicht aufgegangen und es war unheimlich still um mich herum. Nur die Vögel sangen ihr Lied und die Tauben gurrten.
Ich ging zurück ins Zimmer, kochte mir einen Kaffee und holte meinen Krimi hervor. Doch ich konnte mich nicht voll darauf konzentrieren. Im Stillen hoffte ich, dass Achim auf Lanzarote nicht so lange schlafen würde, wie er es gerne zuhause tat. Gerade am frühen Morgen, wenn die Luft noch feucht und nicht so warm ist, konnte man hier am besten etwas unternehmen. Und ich hatte mir viel vorgenommen! Schließlich kannte ich die Insel wie meine Hosentasche. Überall, wo ich schon einmal gewesen bin wollte ich ihn hinführen.

Als ob Achim Gedanken lesen könnte, stand er kurz nach 8 Uhr auf. Nun ja, in Deutschland war es ja auch schon eine Stunde später. Trotzdem freute ich mich. Während wir unseren Kaffee tranken schauten wir uns auf dem Laptop die Fotos an, die wir auf dem Hinflug und bei unserer Ankunft in Las Palmas und Lanzarote gemacht hatten. Es waren ausnahmslos schöne Aufnahmen geworden.
Wir speicherten sie auf dem Laptop und überlegten, was wir unternehmen sollten. Ich schlug vor, dass wir uns ins Auto setzen und zuerst einmal zum Yachthafen in Playa Blanca und dann nach Playa Palero fahren sollten. Vielleicht konnten wir dann schon einen Termin fürs Hochseeangeln an meinem Geburtstag festmachen.
Doch bevor wir losfuhren fiel uns ein, dass wir das Transportrohr noch nicht ausgepackt hatten. Als Achim es in die Hand nahm, fiel ihm auf, dass es am Ende, wo meine große Meerwasserrolle untergebracht war, eine Delle hatte. Beim Einladen ins Auto war uns das gar nicht aufgefallen. Schnell schaute Achim nach, aber es war soweit alles in Ordnung. Lediglich ein Ring an meiner Feederrute war leicht gebogen. Doch das konnte auch zuhause beim Einpacken passiert sein, als wir die 6 Ruten ins Transportrohr steckten.
Wir montierten erst einmal die Rollen an die Ruten. Dann befüllte ich die Wasserkugeln und die Sbirolinos. Am liebsten wäre ich sogleich zum Angeln losgezogen, so sehr kribbelte es mir in den Fingern. Doch Achim meinte, wir sollten erst einmal unsere Ruten liegen lassen. „Wir müssen erst noch einkaufen. Du hast doch gesagt, dass Spülmittel fehlt.“ „Ja schon, aber vielleicht möchte ich ja am Hafen schon einmal ausprobieren, wie das Angeln hier ist“, meinte ich.
„Na gut, dann musst du eben deine Teleskoprute mitnehmen“, antwortete Achim. Und weiter: „Schade, dass man die Rückbank nicht getrennt umklappen kann. Aber die Teleskoprute müssten wir transportieren können.“ Gesagt, getan. Wenige Minuten später lagen die Ruten im Kofferraum und ich war zufrieden.
Zuerst fuhren wir zum Hafen von Playa Blanca. Als ich vor knapp 30 Jahren das erste Mal in Playa Blanca war, war es ein kleiner idyllischer Fischerort.  Heute blenden zahlreiche weiß gestrichene Feriensiedlungen, die rundherum gebaut wurden, das Auge. Aus dem einstigen Fischerörtchen ist ein richtig großer Ferienort geworden. Überall waren üppige Gärten angelegt worden, in denen Tausende von leuchtend roten Bougainvilleen und viele Palmen gepflanzt wurden. Gott sei Dank blieb der Dorfcharakter einigermaßen erhalten. Lediglich die vielen Restaurants und Bars, die sich auf der Uferpromenade aneinander reihen, störten mich ein wenig. Andererseits konnte man dort fast überall im Freien sitzen und seinen Blick wunderbar über das Meer schweifen lassen.
Vom Hafen aus legt mehrmals täglich die Autofähre nach Corralejo ab, die Lanzarote mit Fuerteventura über die knapp 15 km breite, nicht immer ruhige Meerenge von La Bocanina verbindet. Wenn man Glück hat, so erzählten Touristen, kann man blau schimmernde fliegende Fische sehen, die die Schiffe begleiten.
Wir parkten das Auto und direkt am Hafen. Bis 1960 wurden hier Schiffe mit dem Salz aus den nahe gelegenen Salinen von Janubio beladen. Als die Produktion eingestellt wurde geriet das kleine Fischernest fast in Vergessenheit. Doch dann mauserte es sich zum Touristenort.
Als wir die Hafenmauer entlang gingen blieb mir, als ich die vielen großen Fische (waren es Meeräschen?) sah, die sich im Hafenbecken tummelten, fast die Luft weg. Erst recht, als plötzlich sogar ein ca. 1 m langer Fisch durchs Wasser schwamm. Noch bevor ich überlegen konnte, um was für einen Fisch es sich wohl handeln würde, rief Achim aufgeregt: „Uschi, schau mal. Da ist ein Baracuda!“
Ohne die anderen Fische auch nur eines Blickes zu würdigen schwamm er durch die Meute.
„Oh Gott, das halte ich nicht aus! Hier würde ich gerne einmal angeln, aber das ist bestimmt nicht erlaubt, sonst wären hier nicht so viele und vor allen Dingen große Fische.“
„Stimmt“ antwortete Achim. „Angeln ist hier verboten.”
„Wo wollen wir jetzt hin?“ fragte Achim.
„Ich möchte noch gerne zum Yachthafen Marina Pubićon. Der ist neu, den gab es damals noch nicht.“
Wir setzten uns wieder ins Auto und waren nach wenigen Metern angekommen. Es lagen so viele schöne Segelboote vor Anker, dass man richtig neidisch werden konnte!
 „Wenn das Willi sehen würde,  käme er aus dem Staunen nicht mehr raus. Ich rufe ihn mal an. Wollte mich sowieso heute bei ihm melden“, sagte ich zu Achim.
Auch hier im Hafenbecken tummelten sich viele große Fische. Und auch hier war das Angeln natürlich nicht gestattet.
Wir gingen durch das künstliche „kanarische Dorf“ des Gran Meliá Volcán zum Festtungsturm Castillo de las Coloradas. Er wurde 1741 errichtet, aber schon wenige Jahre später fiel er den algerischen Piraten zum Opfer. Der heute zu bestaunende Bau wurde 1769 errichtet.
Oben auf der Punta del Áquila (= Turm des Adlers) angekommen setzten wir uns auf die Steine und genossen die herrliche Aussicht und Ruhe. Nur das Rauschen des Windes und das Plätschern der Wellen waren zu hören. Die Sonne schien vom blauen Himmel und wir atmeten tief durch. Wie schön war es hier. „Verstehst du jetzt, warum ich Lanzarote so liebe?“ fragte ich Achim.
„Ja. Mir gefällt es hier auch sehr gut. Wir fliegen bestimmt noch einmal hier hin.“
Auch hier im Hafenbecken tummelten sich viele große Fische. Und auch hier war das Angeln natürlich nicht gestattet.
“So ein Mist! Auch hier darf man nicht angeln. Aber wenn hier schon so große Fische sind, dann werden wir weiter draußen sicher auch welche fangen können.”
Wir schlenderten am Kai entlang. Plötzlich  fiel mir ein Boot mit einem Schild auf, auf dem stand: „Private Fishing Trips“.
„Achim, guck mal,“ rief ich aufgeregt. „Da liegt ein Boot mit dem man zum Fischen rausfahren kann. Komm lass uns mal nachfragen, was das kostet.“ Wir gingen ins Büro der Tauchschule und erklärten unser Anliegen. Eine halbtägige Bootstour sollte 450, eine ganztägige sogar 900 € kosten! Das lohnte sich nur, wenn wenigstens 10 Personen zusammen kämen, wurde uns gesagt. Leider waren wir aber nur zu Zweit! Etwas enttäuscht verließen wir das Gebäude.
Yachthafen Marina Pubicon
Yachthafen Marina Pubicon
Auch in diesem Hafen gab es viele Fische zu bestaunen.
Ein Tourist warf Brot ins Hafenbecken und alle Fische stürzten sich darauf
ohne Kommentar
Dieses Boot konnte man für eine Hochseeangeltour mieten

Nach einer halben Stunde setzten wir uns wieder ins Auto und fuhren weiter nach  Puerto Calero. Durch die vielen neuen Straßen (teilweise waren noch keine Häuser gebaut) verfranzten wir uns ein wenig auf der Suche nach der Hauptstraße, die nach Puerto del Carmen führte. Als ich das Schild zu den Papagayo Stränden sah dirigierte ich Achim in die Richtung. Natürlich wollten wir nicht an den Strand, aber ich erinnerte mich daran, dass die Schotterpiste zurück zur Hauptstraße führte. Und so war es auch. Nach einigen hundert Metern waren wir auf der richtigen Straße. Zuerst fuhren wir auf der LZ 2 Richtung Yaiza. An den Salinen bogen wir auf eine andere Straße ab, die durch Las Breňas und Femés wieder auf die LZ2 führte.
Etwas außerhalb von Femés hielten wir kurz an. Femés ist eines der ältesten Dörfer Lanzarotes und auch sehenswert. Eigentlich sind alle Orte auf Lanzarote schön. Da wir weiter nach Puerto Calero wollten stiegen wir schon bald wieder ins Auto. 
Zuhause hatte ich mir einige Adressen aus dem Internet rausgesucht, die Hochseeangeltouren anboten. Ich holte meinen Zettel aus der Tasche und schaute nach. Dort stand, dass  „Catlanza“ in Puerto Calero ebenfalls Hochseeangeln anbot. Wir suchten nach dem Gebäude, das gleich neben einem Cafe war.  Bevor wir hineingingen setzten wir uns in das Cafe und tranken einen Espresso. Dann gingen wir in das angrenzende Büro und fragten nach der Hochseetour. Die Dame sprach leider kein Deutsch und ich nur einige Brocken Spanisch. Im gebrochenen Englisch versuchten wir unser Anliegen vorzutragen. Im Prospekt, das wir erhielten, las ich den Namen MIZU. Im Internet hatte ich von Touren der MIZU I und der MIZU II gelesen. In der Annahme, dass wir mit dem Schiff fahren würden buchten wir die Hochseeangeltour für Donnerstag. Überglücklich verließen wir das Bürogebäude und schlenderten noch etwas im Hafen herum. „Schau mal, da liegt ein Angelboot“ rief ich aufgeregt. „Könnte das die MIZU sein?“
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Im Hafen von Puerto Calero
Multirollen mit Kunstködern
„Das könnte das Boot sein, mit dem wir am Donnerstag raus fahren“, meinte Achim. „Siehst du den Kampfstuhl da vorne? Da wirst du drin sitzen und den großen Fisch drillen.“
„Oh je, da wird mir schon jetzt Bange. Und überhaupt kann ich mit einer Mulitrolle gar nicht umgehen!“
„Ach, das ist kein Problem. Die musst du genau so kurbeln wie eine Stationärrolle.“
Wir schlenderten bei herrlichem Sonnenschein zurück zu unserem Wagen und kamen an einem Meeressäuger-Museum vorbei. Auf einer Grünfläche vor dem Eingang war das Skelett eines Wales ausgestellt, der vor Fuerteventura gestrandet war.
Auf der Rückfahrt zu unserer Ferienanlage fuhren wir die Schnellstraße entlang. In unserem Bungalow angekommen verschnauften wir ein wenig, zogen uns um und gingen zum Hotel Timanfaya, wo um 17 Uhr eine Begrüßung durch die TUI-Reiseleitung stattfand. Als ich hörte, dass am kommenden Samstag in den Höhlen von Los Verdes ein Konzert stattfinden würde, war ich begeistert. Das hatte ich mir schon immer mal gewünscht. Bei meinen früheren Besuchen hatte es nie geklappt. „Schatz, diese Gelegenheit müssen wir nutzen. Auch wenn du dich für klassische Musik nicht interessierst, der Klang in den Höhlen ist einmalig. Da möchte ich unbedingt hin.“
Wir buchten bei der Reiseleitung nicht nur das Konzert sondern auch noch eine Submarine Safari für den nächsten Tag.
„Ich glaube 14 Tage reichen nicht aus um alles zu sehen. Jetzt haben wir an einem Tag schon 3 Termine festgelegt. Bisher haben wir noch nicht einmal im Meer gebadet, vom Angeln ganz abgesehen“, meinte Achim.
„Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeige ich dir noch. Andererseits ist das ein guter Grund noch einmal nach Lanzarote zu kommen“, meinte ich grinsend.
Bevor wir uns zum Abendessen in ein Restaurant setzten spazierten wir noch etwas auf der Promenade herum.
Dann gingen wir in eine Pizzeria und bestellten uns etwas zu essen. Wir stießen gerade mit unserem Bier an, auf das wir sehr lange warten mussten, als uns ein Gast in Englisch  fragte, ob er und seine Frau sich mit an unseren Tisch setzen dürften. „Warum denn das? Hier sind doch noch viele Tische frei“, dachte ich.
Aber Achim stimmte zu und schon waren wir nicht mehr alleine. Wie sich kurz darauf herausstellte, kam das Pärchen aus Norwegen. Sie hatten vor 9 Monaten geheiratet und machten auf Lanzarote Flitterwochen. In Deutsch, Englisch und etwas Spanisch versuchten wir uns zu unterhalten. Peter, so hieß der Mann, wollte uns unbedingt wiedersehen. Er fragte, wann wir uns wieder treffen könnten, aber wir legten uns nicht fest. Obwohl ich mich ganz gerne mit Fremden unterhalte und das Pärchen auch sehr nett war, fand ich es jedoch sehr anstrengend und war froh, als wir endlich wieder alleine waren.


3. Tag
In dieser Nacht hatte ich nicht so gut geschlafen. Irgendwann in der Nacht stand ich auf und holte mir eine zweite Decke, denn ich fror fürchterlich. Es dauerte eine geraume Zeit bis ich endlich wieder einschlief. Als ich erwachte war es schon hell. Ich ging auf die Terrasse und staunte nicht schlecht, als ich sah, dass es geregnet hatte. Regen auf Lanzarote hatte ich noch nie erlebt. Am Himmel hingen noch ein paar Wolken, aber eine halbe Stunde später waren sie verzogen und die Sonne strahlte vom Himmel.
Während ich unter der Dusche stand montierte Achim unsere Ruten, denn er wollte unbedingt zum Angeln an den Strand. Viel Zeit blieb uns ja nicht, denn um 13.30 Uhr wurden wir am Hotel Timanfaya zu der gebuchten U-Boot-Fahrt abgeholt. Wir packten unsere Angelsachen und gingen zu dem nahe gelegenen Strand. Auf dem Weg dorthin trafen wir einen älteren Herrn, der ebenfalls eine Angelrute in der Hand hielt. Achim fragte ihn, ob er hier schon etwas gefangen hätte. Er antwortete, dass er hier schon öfter geangelt hätte und dass die Fische zurzeit wieder ganz gut beißen würden. Voller Vorfreude gingen wir zur Promenade. Wir betraten die Steintreppe und balancierten über dicke Steine bis wir einen guten Platz gefunden hatten. Es war gerade Flut und die Wellen peitschten unaufhörlich gegen die Felsbrocken. Außer uns waren noch zwei weitere Angler dort. Obwohl ich ganz heiß aufs Angeln war traute ich mich nicht so richtig. Als setzte ich mich erst einmal auf einen Stein und schaute Achim beim Montieren seiner Rute zu. In einer kleinen Pfütze weichte er ein Stück des Schwimmbrotes ein. In den Wirbel der Hauptschnur kam eine Wasserkugel, dann holte er ein Vorfach mit 12er Drilling aus unserer Angelkiste. Kaum hatte er den Köder ausgeworfen, schnappten ein paar Fische danach. Als immer wieder der Haken leer gefressen war, wechselte Achim den Drilling gegen ein Fliegenvorfach aus. Aber auch dieser Haken schien etwas zu groß zu sein, so dass Achim nach einigen Würfen einen 12er Einzelhaken wählte. Ich selber wollte noch nicht angeln. Erst wenn Achim einen schönen großen Fisch gefangen hätte, wollte ich ebenfalls meine Rute auswerfen.
Nach einiger Zeit bemerkte Achim den ersten Biss. Ein kleiner Meerpfau aus der Gattung der  Lippfische hatte sich das Schwimmbrot geschnappt. Solche bunten Fische kannte ich bisher nur aus dem Aquarium. Achim beköderte den Haken neu, warf aus und wenig später darauf ging ihm ein weiterer Meerpfau an den Haken.
Die Flut stieg langsam an, so dass wir gegen 12 Uhr wieder unsere Sachen packten und uns auf den Weg zu unserem Bungalow machten.
Wir zogen uns für die U-Boot-Fahrt um und gingen zum Treffpunkt am Hotel Timanfaya. Auf dem Weg dorthin verspürte ich ein Kratzen im Hals. Das war kein gutes Zeichen. Sicher war eine Erkältung im Anmarsch.
Beim Timanfaya Palace stiegen wir in einen Bus, der uns nach Puerto Calero brachte, wo wir ins Submarine Safaris gingen. Bevor es auf das U-Boot ging wurden wir erst einmal in die Sicherheitsvorkehrungen eingewiesen. Dann gingen wir am Kai entlang bis wir das  leuchtend gelbe U-Boot sahen. Von weitem glich es eher einem Schlauchboot.
Wir stiegen eine steile Treppe hinab direkt in dem Bauch des U-Bootes und waren sofort unter Wasser. Durch das 80 cm große Bullauge konnte ich viele Fische um das Boot herum schwimmen sehen. Auf einem kleinen TV-Monitor, der an jedem Fensterplatz war, konnten wir verfolgen, wie das U-Boot aus dem Hafen fuhr und nach einiger Zeit abtauchte. Während Achim fotografierte, versuchte ich mit unserer Filmkamera die vielen schönen Fische, die um uns herum schwammen, festzuhalten. Aber es war sehr schwierig, denn sie waren sehr schnell. Außerdem konnte ich mich nicht so richtig konzentrieren, denn das Kratzen im Hals wurde immer stärker.
In  33 m Tiefe hielt das U-Boot an. Die Fische kannten die Tauchgänge wohl schon, denn sie kamen bis ans Fenster geschwommen. Man hätte sie – wäre die Scheibe nicht dazwischen gewesen – anfassen können. Ich war beeindruckt von den riesigen Seesternen, die sich an den vulkanischen Steinen festgemacht hatten. Bevor es zurück in den Hafen ging kamen wir an einem alten Wrack vorbei, das ein ideales Versteck für die Fische bildete. Andere Fische, so konnte ich beobachten, versteckten sich, indem sie sich im Sand einbuddelten.
Als wir wieder im Hafen waren erhielt jeder Teilnehmer ein Zertifikat. Außerdem  konnte man ein Foto von sich beim Einsteigen in das U -Boot kaufen. Als wir wieder in der Nähe unseres Bungalows abgesetzt wurden, war es schon 17.30 Uhr. Eigentlich wollten wir erst in unser Häuschen um danach bis zum Hafen zu laufen, wo wir in einem Fischrestaurant essen wollten. Wir entschieden uns spontan dafür, erst gar nicht zurück zum Bungalow zu gehen, sondern gingen gleich in das Restaurant „Beach Club“, das ebenfalls Fischgerichte anbot. Der Thunfisch, den ich mir bestellte, war einfach Spitze. Auch Achim mundete die Seezunge sehr gut. Natürlich schmeckte uns auch das Bier dazu. Bevor wir uns auf den Heimweg machten ging ich in einen Supermarkt und kaufte eine Flasche Osborn 103. Den hatte ich hier schon vor 30 Jahren getrunken. Vielleicht, so hoffte ich, konnte ich damit die Erkältungsbakterien vertreiben.

4. Tag
In der Nacht merkte ich, dass sich meine Nase immer mehr zusetzte. Der ständige Husten dazu ließ mich unruhig schlafen. Als ich gegen 7 Uhr aufstand nahm ich eine Brausetablette ein, die den Husten lösen sollte. Als wenn ich die Erkältung zuhause in Deutschland geahnt hätte, hatte ich sie „vorsichtshalber“ eingesteckt.
Gegen 9.30 Uhr setzten wir uns in unseren Mietwagen und fuhren Richtung Feuerberge, natürlich nicht ohne unsere Ruten mitzunehmen.
Wir wollten zuerst bei den Salinen anhalten und dann weiter zum El Golfo fahren. Da wir nicht gleich die Ausfahrt zur Nebenstraße fanden planten wir um. „Lass uns zuerst in die Feuerberge fahren. Auf dem Rückweg besuchen wir die anderen Sehenswürdigkeiten“, sagte ich zu Achim.
„Mir ist es egal, wo wir zuerst hinfahren. Du bist hier der Reiseleiter.“
Wir fuhren an Yaiza vorbei und bogen dann Richtung Nationalpark ab. Die Straße führte schnurstracks durch die Vulkanlandschaft. Nach einigen Kilometern sah ich linkerhand die Dromedar-Karawane. Wir stellten unseren Wagen auf dem Parkplatz ab und schauten den schaukelnden Wüstentieren zu, wie sie den Berg erklommen. Auch dieses Mal reizte es mich nicht auf dem Rücken eines Dromedars zu sitzen.
Seit mehr als hundert Jahren waren die Dromedare neben dem Esel die treuen Begleiter der lanzarotischen Bauern. Die ausdauernden und genügsamen Tiere waren für diese Gegend wie geschaffen, denn sie können eine Woche lang ohne Wasseraufnahme auskommen. Mit ihnen bestellte man die Äcker und sie dienten als Last- und Reittier. Seit ca. 30 Jahren werden sie in der Landwirtschaft nicht mehr gebraucht. Aber ausgedient haben sie deshalb nicht, sie wurden seit 1980 für das Tourismusgeschäft entdeckt.
Zuhause sind die Dromedare in Uga, einem kleinen Örtchen in der Nähe von Yaiza. Dort werden sie erfolgreich gezüchtet und zwar so sehr, dass heute die Scheiche aus Marokko nach Lanzarote kommen um hier die Tiere zu kaufen.
Nachdem wir ein paar Fotos gemacht hatten setzten wir uns wieder in den Wagen und fuhren weiter. Nach einigen Kilometern führte eine kleine Straße von der Hauptstraße ab. Am Eingang des Timanfaya Nationalparks begrüßt ein Bildnis des Diablo, des Teufels, die Besucher . Dieses Symbol für die Region der Feuerberge hat César Manrique schon sehr früh entworfen.
Vor dem Kassenhäuschen hatte sich schon eine lange Schlange von Autos gebildet, die alle darauf warteten weiterfahren zu dürfen. Pro Person zahlten wir 8 € Eintrittsgeld. Das war ganz schön happig, aber darin war die 14 km lange Busrundfahrt auf der Ruta de los Volcanes enthalten.
Vom Kassenhäuschen bis zum Parkplatz waren es noch 4 km. Nachdem uns ein Parkplatz zugewiesen wurde stellten wir den Wagen ab, stiegen aus und standen inmitten von schwarzen Lavameeren. Dahinter türmten sich hohe Berge auf. Manche hatten abgebrochene Spitzen, andere stiegen weich an und waren mit kleinen Lavasteinen bedeckt. Der Anblick löst eine gewisse Beklemmung aus, umso mehr, wenn man daran denkt, dass sich hier einmal eine der größten Katastrophen der jüngeren Erdgeschichte ereignet hat. Von 1730 bis 1736 und im Jahre 1824 öffnete sich die Erde und begrub mehrere Dörfer samt seinen Bewohnern unter glühender Lava, darunter auch das Dorf Timanfaya. Vor den Vulkanausbrüchen gehörte das große Areal zu dem fruchtbarsten Teil Lanzarotes.
Einem Pfarrer aus Yaiza ist es zu verdanken, dass man über den Hergang der Katastrophe 1730 Bescheid weiß. Als in der Nacht des 1. September 19730 die Erde aufbrach und anfing Feuer zu speien, begann er mit Tagebuchaufzeichnungen. Täglich berichtete er über neue Hiobsbotschaften, bis er zusammen mit anderen Bewohnern nach Gran Canaria flüchtete. Ganze Ortschaften wurden von den Lavaströmen überrollt, die sich bis ins Meer wälzten. Millionen toter Fische wurden an die Küste gespült. Man konnte fast zuschauen wie sich immer neue Berge bildeten und Krater entstanden, die sogleich wieder explodierten. 1824 revolierte die Erde erneut und es entstanden drei weitere Vulkane. Die Verwüstungen waren jedoch nicht so schlimm wie 100 Jahre zuvor.
1975 wurde die 85 qkm große Fläche rund um die Feuerberge als Nationalpark unter Naturschutz gestellt. Sie nimmt ein Sechstel der gesamten Inselfläche ein.
Es dauerte nur ein paar Minuten bis wir in den Bus stiegen, der uns ins Herz des größten Lavafeldes der Erde brachte. Obwohl ich schon mehrmals die 45minütige Tour mitgemacht habe, war ich auf dieses Mal wieder aufs Neue fasziniert.
Bei meinem ersten Urlaub auf Lanzarote war die Mondlandschaft noch völlig vegetationslos gewesen. Inzwischen hat sich wieder Leben angesiedelt. Viele Pflanzen, vor allen Dingen Flechten, sind hier zu finden, aber auch größere und kleinere Tiere haben hier ihr Zuhause gefunden.
Zuerst umfuhr der Bus den Mantó de la Virgen, den „Mantel der Jungfrau“. Er wir so genannt, weil sich durch das schnelle Erkalten der Lava ein „geöffneter Umhang“ gebildet hat. Dann hielt er am Montaňa Rajada, einem roten Berg, an. Als nächstes passierte der Bus eine Naturgrotte, den Barranco del Fuego. Nach 250 Jahren hat auch hier die Vegatation begonnen sich die bis dahin tote Lavalandschaft zu erobern. Wir hatten das Glück, dass der Bus einen Abstecher ins „Tal der Stille“, in den Valle de la Tranquilidad, machte. Es ist eine graue, furcht erregende Senke ohne Horizont. Hier, mitten im Lavafeld, hört man keinen einzigen Laut, daher der Name. Nach einigen Metern Fahrt waren wir wieder auf dem Höhenrücken des Timanfaya-Gebietes und konnten das schäumende Meer und die weißen Häuser des Dörfchens Las Breňas erblicken.
Während der Rundfahrt hatte ich erneut das Gefühl mich nicht auf der Erde sondern auf einem fremden Planeten zu befinden. So stellte ich es mir auf dem Mond oder Mars vor. Wie vor vielen, vielen Jahren beschlich mich auch dieses Mal etwas Angst, der Vulkan könnte wieder ausbrechen. 
Kurz vor dem Ende der Rundfahrt näherten wir uns dem Isolte del Hilario. Hilario, so heißt es, war ein Einsiedler, der dort einmal in dieser unwirklichen Gegend gelebt hat.
Während der Busfahrt lief ein Band in spanischer, englischer und deutscher Sprache. Unter anderem wurde erzählt: „Von 1727 bis 1730 erschütterten Erdbeben und Erdgrollen die Insel, so dass die Einwohner sich nach Teguise flüchteten. Am 1. 9. 19730 öffnete sich abends zwischen 9 und 10 Uhr, nur 2 Meilen von Yaiza entfernt, die Erde. Aus den Gipfeln entflohen Flammen, die 19 Tage brannten. Das war der Anfang des wichtigsten vulkanischen Prozesses der Kanaren. Sechs Jahre dauerten er mit wechselnden Lavaflüssen und Temperaturen von mehr als 800 ° C, die alles Leben auslöschte.
Am 18.10.730 bildeten sich drei neue Krater über Santa Katharina und aus ihnen entstiegen Dampfmassen, die sich über die ganze Insel ausbreiteten. Der Rauch und die Asche hüllten die gesamte Insel ein. Die Dunkelheit trieb mehr als einmal die Einwohner in die Flucht. 100 Jahre später pulsierte erneut und immer mehr neues Leben inmitten der Lava. Es sind an die 800 Tier- und Pflanzenspezies registriert worden. Ein Großteil davon auf dem Lande, die übrigen im Meer. Unter den Organismen, die auf den Felsen leben, befinden sich in erster Linie Vögel, Eidechsen und vor allen Dingen verschiedene Flechtenarten. Darunter auch nachtaktive Insekten, die sich von mikroskopisch kleinen Partikeln ernähren, die vom Wind herangetragen werden. Es handelt sich in erster Linie um Käfer und Grillen, die möglicherweise Ähnlichkeit zu den Arten besitzen, die vor Millionen von Jahren auf die Insel gelangten, als Lanzarote aus dem Meer auftauchte.
Das größte bekannte Tier ist ein Aasgeier, der an einigen Kratern am Rande nistet. Das Kleinste ist ein Höhlen bewohnendes Insekt von der Größe von weniger als 1 mm Länge.
Der höchste Punkt liegt 525 m über dem Meeresspiegel. Dieser Vulkan ist von Schlacke und Asche bedeckt, die von den Eruptionen aus dem 18. Jahrhundert stammen.
Der letzte Vulkanausbruch fand 1824 statt. Ihm ging eine 10 Jahre lange Periode voraus, in dem zahlreiche Eruptionen registriert wurden. Diese wurden charakterisiert vor allen Dingen durch die Dünnflüssigkeit ihrer Lava und ganz besonders durch das heiße Salzwasser, das aus den Kratern in Form von gewaltigen, bis zu 30 m hohen Geysiren emporschoss.“
Als wir wieder am Ausgangspunkt angekommen waren schauten wir zwei spektakulären Vorführungen zu. Ein Angestellter des Parks warf einen trockenen Dornlattichstrauch in ein tiefes Loch, woraus sich innerhalb von Sekunden ein Feuerball bildete. Damit wurde demonstriert, dass an diesem Ort noch heute Temperaturen um 400° C herrschen.
Ein Stückchen weiter schauten wir zu, wie ein Eimer Wasser durch ein enges Rohr in die Tiefe gegossen wurde. Nach wenigen Sekunden zischten mit einem lauten Knall kochendes Wasser und eine Dampfsäule in die Höhe.
Noch völlig fasziniert von dem, was wir gesehen hatten, setzten wir uns ins Auto und fuhren zurück nach Yaiza. Da wir die Abfahrt nach El Golfo nicht fanden (die Straßenbeschilderung ist teilweise sehr schlecht), fuhren wir zuerst weiter bis zu den Salinen um von der anderen Seite nach El Golfo zu fahren. Wir kamen jedoch nicht weit, denn plötzlich versperrte uns ein Polizeiwagen die Weiterfahrt. Ein Stückchen weiter, so konnten wir erkennen, stand ein Feuerwehrwagen. Wir vermuteten, dass entweder ein Auto oder ein Tourist abgestürzt war. Wir drehten um,  hielten kurz darauf wieder an und stiegen aus. Dann kletterten wir über Lavasteine bis wir am Steilufer ankamen. Hier schauten wir den weißgischtenden Wellen zu, die gegen die schwarzen Lavafelsen prallten.
„Wo wollen wir jetzt hinfahren? Nach El Golfo können wir ja nun nicht.“ fragte Achim.
„Wir könnten noch einmal zurück Richtung Yaiza fahren, allerdings auf der alten Straße, und dann in die Ortschaft El Golfo. Oder aber wir fahren zu dem Restaurant bei den Salinen und essen dort etwas.“
„Okay. Das ist eine gute Idee. Ist ja auch schon Mittagszeit. Vielleicht ist nachher die Straße wieder frei“, antwortete Achim.
Bis vor einigen Jahren waren die rund 2 km² großen Salinenanlagen bei Las Salinas de Janubio noch in Betrieb. Als sie sich nicht mehr rentierten, ließ man sie einfach verfallen. Früher war die Meersalzgewinnung für die Fischer wichtig. Sie konservierten darin ihren Fang und Proviant. Die verfallenen Windmühlen, die früher das Meerwasser in die etwas höher gelegenen Verdampfungsbecken pumpten, stehen jetzt unter Denkmalschutz. Mit Mitteln der EU und des spanischen Staates soll schon in naher Zukunft in Las Salinas des Janubio ein Industriedenkmal entstehen. Für die vielen Touristen die nach Las Salinas  kommen, soll die Salzgewinnung zu Schauzwecken wieder zum Leben erweckt werden.
„Ich finde abends sieht es hier richtig romantisch aus“, sagte ich zu Achim. „Wenn die Sonne untergeht werden die rosafarbenen Becken in ein goldgelbes und tiefrotes Licht getaucht und die Überreste der Windmühlen heben sich wie Scherenschnitte vom Horizont ab. Das ist ein wunderschöner Anblick.“
Achim antwortete: „Das kann ich mir gut vorstellen. Doch wir können hier jetzt nicht bis zum Abend warten. Vielleicht fahren wir ein anderes Mal noch einmal hin.“
Anders als in Playa Blanca ist der Sand an der Playa del Janubio schwarz. Es sieht überwältigend aus, wenn die weißgischtenden Wellen gegen die Felsen schlagen. Weißt du was das für ein Kasten da hinten ist?“ fragte mich Achim.
„Inzwischen ja. Das ist die Meerwasser-Entsalzungsanlage für Playa Blanca. Von dort bekommen wir das Wasser.“
Wir setzten uns im Restaurant El Mirador auf die Terrasse und bestellten uns eine Fischplatte. Während wir unser leckeres Fischgericht aßen beobachtete ich die Wagen, die Richtung El Golfo fuhren, und wie wir auch, nach einigen Minuten zurückkamen. Nachdem wir uns eine gute Stunde im Restaurant aufgehalten hatten versuchten wir es erneut nach El Golfo zu kommen. Und siehe da, die Straße war wieder frei gegeben.
Bei unserer Weiterfahrt hielten wir an einer Stelle an, die Los Hervideros heißt. Der Name bedeutet „die Brodelnden“, und tatsächlich glaubt man beim Blick in den tiefen Fjord einen brodelnden Dampfkessel unter sich zu haben. Über Jahrhunderte hat das Meer die Felsen ausgewaschen, so dass große Höhlen entstanden sind, in denen das Wasser laut tosend brandet. Wir spazierten vom Parkplatz aus durch eine bizarre Vulkanlandschaft. Ein Stückchen weiter führten ein paar Stufen hinab zu einer Stelle, an der man in die ausgewaschenen Felsen hineinschauen konnte.
Achim machte mir ein wenig Angst, weil er es nicht lassen konnte über die Lavasteine zu klettern um dem Meer ganz nahe zu sein. Manchmal stand er ganz nahe an den Klippen.
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Als er wieder zurück war stiegen wir in den Wagen und fuhren nach El Golfo. In dem kleinen beschaulichen Fischerdörfchen stellten wir das Auto auf dem großen Parkplatz ab. Die Largo Verde genannte Lagune konnten wir nicht gleich sehen, da sie hinter dem Rand einer abgebrochenen Caldera versteckt liegt.
„Komm Schatz. Wir müssen hier den kleinen Berg hinauf klettern, dann können wir den grünen Kratersee sehen. Das, was wir hier sehen, ist er nicht.“
Oben angekommen staunte Achim über das unglaublich grün schimmernde Wasser, dessen Farbe durch Algen verursacht wird.
“Du wirst es nicht glauben, aber der Salzgehalt ist hier höher als der vom Toten Meer“ klärte ich Achim auf.  „Im Laufe der Jahre ist der Kratersee (Charco des los Clios) um die Hälfte geschrumpft, d.h. als ich ihn vor gut 30 Jahren das erste Mal sah, war er doppelt so groß, wenn nicht sogar größer. Wenn wir wieder in Deutschland sind, holen wir noch einmal die alten Dias hervor und vergleichen. Ich würde die Dias auch gerne einscannen um sie besser vergleichen zu können.“
Nur ein schmaler Sand- und Kiesrand trennt den Kratersee vom Meer.  Durch die Flut, so vermutet man, wird immer mehr Gestein in den See getragen. Wenn man auf ihn herabblickt glaubt man kaum, dass er sehr tief ist.
Als wir zum Parkplatz zurück gingen setzten wir uns ins Auto und fuhren erst einmal durch den kleinen Ort mit seinen vielen Fischrestaurants. Alle hatten einen wunderbaren Blick aufs Meer.
„ Hierher müssen wir unbedingt einmal abends fahren. Von der Terrasse der Restaurants kann man, wenn das Wetter mitspielt, einen herrlichen Sonnenuntergang genießen. Leider ist mir das bisher nicht geglückt. Damals bin ich extra hierher gefahren um den Sonnenuntergang zu sehen und zu fotografieren, aber dann kamen viele Wolken und es wurde nichts daraus.“
Achim antwortete: „Wenn wir nicht gerade angeln, können wir hier gerne hinfahren. Aber du weißt doch, dass die Fische meistens nach Sonnenuntergang an die Küste kommen.“
Etwas geknickt antwortete ich: „Komm Schatz, wir sind doch nicht nur zum Angeln nach Lanzarote gefahren. Zuerst wollten wir uns nur erholen und abschalten. Dann kam uns die Idee vom Angeln auf Lanzarote. Wir sollten es nicht übertreiben!“
Wir stiegen ins Auto und fuhren zurück nach Playa Blanca. In einem Supermarkt füllten wir unsere Getränkevorräte auf. Und vor allen Dingen kaufte ich mir Taschentücher, denn nun hatte ich einen ausgewachsenen Schnupfen.
An diesem Abend gingen wir in kein Restaurant, sondern bereiteten uns selber einen Fleischspieß zu. Mit den herrlich schmeckenden Fleischtomaten und einem kleinen Baguette mundete es uns sehr gut. Wir legten uns früher als sonst schlafen, da am anderen Tag die gebuchte Hochseetour stattfand

Oerlinghausen, den 22.05.2008

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