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Unser Urlaub auf Lanzarote vom 2. bis 17. März 2008
Teil 2
5. Tag Pünktlich um 6.30 Uhr klingelten Achims Wecker und mein Handy. Sofort stand ich auf, machte die Kaffeemaschine an und ging ins Bad.
Als ich mit der Morgentoilette fertig war gratulierte mir Achim zu meinem Geburtstag: „Herzlichen Glückwunsch, mein Schatz. Hoffentlich fängst du heute einen großen Fisch an deinem Ehrentag.“
„Ach, wenn nicht, ist es auch nicht schlimm. Ich möchte nur nicht seekrank werden, das ist meine größte Sorge.“
Die Nacht über hatte es sehr gestürmt und ich befürchtete, dass unsere Bootsfahrt ausfallen würde. Aber gegen Morgen legte sich der
Wind. Um 8.50 Uhr sollten wir im Hafen von Puerto Calero sein. Früher als geplant, gegen 8.15 Uhr, kamen wir dort an. Das Dörfchen
schlief noch. Auch die Cafes hatten noch geschlossen. Wir gingen zu dem Boot, von dem wir vermuteten, dass es unser Schiff sei. Aber
weit und breit war kein Mensch zu sehen. Ein Stückchen weiter lag ein anderes Boot mit Ruten an Bord. „Es ist gleich 8.45 Uhr. Entweder
hat man uns vergessen oder es ist nicht das richtige Boot. Dort drüben kommen Angler. Lass uns mal fragen, ob sie auch bei Catlanza gebucht haben.“
Der Bootsmann verneinte unsere Frage. Während Achim beim Boot stehen blieb ging ich ins Büro von Catlanza, das inzwischen geöffnet
hatte, und fragte, wann uns denn jemand abholen würde bzw. von wo wir losfahren würden. Die Dame griff zum Telefon und meinte daraufhin, dass wir in 10 Minuten abgeholt würden.
Und tatsächlich kam nach dieser Zeit ein Mann, der uns zu einem Bulli brachte, in dem 3 weitere Personen saßen. Wir fuhren zusammen
nach Puerto del Carmen und stiegen auf das Boot. Insgesamt waren wir 11 Personen. Es waren ausnahmslos Engländer. Bevor es zum
Schleppfischen aufs Meer hinaus ging fuhr das Boot zuerst nach Puerto Calero um aufzutanken. Dann endlich ging es aufs offene Meer.
Der Bootsjunge machte 11 Schleppruten mit Tintenfischimitationen fertig und ließ sie am Boot hinunter. Anschließend mussten wir eine
Nummer ziehen. Jede Rute hatte eine Nummer. Achim zog die Nr. 4, ich die Nr. 8. Gespannt beobachtete ich „meine“ Rute. Während der
ganzen Fahrt tat sich jedoch nichts. Wir fuhren bis hinter Playa Blanca. Vom Boot aus waren die Papagayo-Strände zu sehen. „Schau mal dort. Da ist unser Strand“ rief mir Achim zu.
„Und weiter links kannst du sogar unsere Bungalow-Anlage erkennen.
Dann meldete der Kapitän, dass wir bald anhalten würden. Für jeden von uns wurde nun eine Grundrute mit Tintenfischfetzen bestückt.
Als das Boot ankerte, sagte der Schiffsjunge, dass 6 Personen aufs Vorderdeck sollten. Die anderen 5 konnten hinten bleiben. Als erstes
ging ein junges Pärchen nach vorne. Da das Schiff doch sehr schaukelte, zierten sich die anderen, d.h. keiner wollte nach vorne. Ich wäre
auch gerne hinten geblieben, aber da keiner der anderen Teilnehmer sich rührte, sagte ich zu Achim, dass wir auch aufs Vorderdeck gehen
würden. Als wir auf dem schmalen Steg an der Kapitänskajüte vorbei gingen war mir etwas mulmig zumute. Auf dem vorderen Deck
schaukelte das Schiff noch mehr, so dass ich mich kniend an der Reeling fest hielt. Das Wasser war an der Stelle ca. 40 m tief. Wir ließen
die Köder runter und schauten gespannt zu, ob und wann der erste Fisch anbeißen würde.
Der Schiffsjunge kam erneut zu uns aufs Vorderdeck und kippte einen großen Sack voller Brot über Bord, um die Fische anzulocken.
Doch die Strömung war zu stark. Es wurde sofort alles wieder weggetrieben. Eine ältere Dame wurde bei dem Geschaukel seekrank und fütterte ebenfalls die Fische mit ihrem Frühstück.
Einmal, so meinte ich, hatte ich einen Biss verspürt. Als ich die Rute wieder reinholte war ein Stückchen Fischfetzen ab, das andere
baumelte noch am Haken. Ein paar Minuten später fing mein Nebenmann einen Fisch. Wir wissen nicht genau um was es sich dabei
handelte. Er sah jedenfalls etwas zum Fürchten aus mit seinen Zähnen und Stacheln. Ich hatte meine Rute gerade wieder runter gelassen, als Achim rief: „Ich habe einen dran. Und zwar einen großen.“
Schnell kurbelte ich meine Rute rein. Ich hatte den Köder noch nicht wieder an Bord, als Achim enttäuscht bekannt gab, dass der Fisch
abgegangen sei. „Oh nein! Ich hatte mich schon so sehr auf ein schönes Foto von dir mit einem dicken Fisch gefreut.“
Achim beköderte seine Haken mit neuen Fischfetzen und versuchte es erneut. Ein paar Minuten später, es war inzwischen noch
stürmischer geworden, meldete der Kapitän, dass wir die Ruten reinholen sollten, da er umdrehen würde.
Das junge Pärchen verließ das Vorderdeck, während Achim und ich noch sitzen blieben. Nach einiger Zeit waren wir jedoch von der Gischt so nass geworden, dass wir ebenfalls nach hinten flüchteten.
Als wir umdrehten sagte der Kapitän, wir würden zum Grundangeln an einer anderen Stelle halten, doch dann wurde der Seegang immer
heftiger, so dass es nicht mehr möglich war. Erneut wurden die Schleppruten raus gebracht. Wieder beobachtete ich gespannt „meine“
Rute. Auf unserer Tour kamen wir an einer Stelle vorbei, wo mir ein komisches Gebilde im Wasser auffiel. Zuerst konnte ich damit nichts
anfangen, dann erklärte uns der Schiffsjunge, dass es eine Anlage zur Fischaufzucht sei. Früher hätte man dort versucht Thunfische zu
züchten, aber da es nichts brachte, wurde es vor 4 Jahren aufgegeben. Nun versucht man Doraden zu züchten.
Bis zu unserer Ankunft im Hafen von Puerto del Carmen tat sich absolut nichts. Zum Mittagessen gab es Makkaroni mit Tomatensoße und ein Dose Bier für jeden.
Bevor wir das Boot verließen fragte Achim den Schiffsjungen, ob wir ein paar Tintenfischfetzen bekommen könnten. Nachdem der
Kapitän zugestimmt hatte füllte der Schiffsjunge uns den Rest der klein geschnittenen Köder in eine Plastiktüte. Es war ein schöner Tag auf See gewesen – leider ohne Fisch!
Auf der Heimfahrt überlegten wir, in den nächsten Tagen noch einmal zum Fischen raus zu fahren. Dann jedoch mit einem anderen Schiff.
Wieder in unserem Bungalow angekommen zogen wir unsere Badesachen an und gingen zum Strand. Dieses Mal nahm Achim statt einer
Angelrute seinen Schnorchel und die Taucherbrille mit. Da mir meine Erkältung noch sehr zu schaffen machte, wollte ich nicht im Meer
baden. Ich blieb auf einem Stein sitzen und schaute Achim zu wie er ins Wasser stieg.
Außer einigen Lippfischen konnte er keine weiteren Fische ausmachen. Durch den starken Seegang war das Wasser sehr aufgewühlt und
recht trübe. Aber, so sagte Achim als er wieder zurück war, es hatte eine angenehme Temperatur.
Gegen 19 Uhr gingen wir erneut in das Restaurant, wo wir vor 2 Tagen gegessen hatten. Wir hatten Glück noch einen freien Tisch zu
bekommen, denn es waren viele Gäste mit kleinen Kindern dort. Wir bestellten uns beide das gegrillte Thunfischsteak und einen gemischten Salat. Beides schmeckte sehr lecker.
6. Tag
In der Nacht hatte ich nur wenig Schlaf gekriegt, da ich ständig von Hustenanfällen wach wurde. Auch meine Nase lief, als wenn sie einen Wettlauf machen wollte.
Gegen 5.15 Uhr hielt ich es im Bett nicht mehr aus und stand auf. Rundherum war alles ruhig. Es herrschte eine Stille wie oben in den Feuerbergen. Noch bevor die Sonne aufging fingen die Vögelchen zu zwitschern an.
Die beiden Strände von Playa Blanca sind zwar sehr gepflegt, aber viel schöner ist es an den östlich gelegenen Papagayo Stränden. Dort
wollten wir hinfahren. Aber vorher machten wir unsere Ruten fertig und gingen an den hiesigen Strand bzw. zum Ufer.
Wie schon gestern Abend war gerade wieder mal Flut angesagt. Wir gingen die Steintreppe hinunter und kletterten über dicke Steine bis
wir auf einen Felsvorsprung kamen. Dort montierten wir jeder eine Wasserkugel an unsere Ruten. Auf den 16er Matchhaken steckten wir
ein Stückchen Schwimmbrot. Es dauerte nur wenige Minuten bis Achim den ersten Fisch landen konnte. Wieder war es einer dieser blau gezeichneten Lippfische. Kurz danach ging auch mir so ein Fischchen an den Haken.
Wenn später hatte Achim erneut Erfolg. Dieses Mal war es eine kleine Meeräsche. Sie hatte den Haken nicht im Maul sondern in der Seite.
„Wo kleine sind, da sind auch große. Ich probiere es mal mit einem größeren Haken.“
Achim entschied sich für einen 12er. Kaum hatte er den Haken neu beködert und die Rute ausgeworfen, als die Wasserkugel auch schon
abtauchte. „Ich hab einen großen dran. Das ist sicher eine Meeräsche“, rief er mir zu. Er drillte den Fisch ein paar Meter – dann war er ab.
Als er die Montage anschaute stellte er fest, dass der Haken abgerissen war. „Das muss ein etwas größerer gewesen sein. Haben wir denn keine größeren Haken mit?“ fragte er mich. „Wenn sie nicht in der
Angelkiste sind, dann liegen sie in unserer Ferienwohnung“, antwortete ich. Knurrend kam seine Reaktion bei mir an: „Da liegen sie gut!“
Achim entschied sich für einen kleinen Drillingshaken. Zuerst bestückte er ihn mit Schwimmbrot, später wechselte er das Brot gegen ein
Stückchen Tintenfischfetzen aus. Kaum war der Köder im Wasser stürzte sich ein Fisch auf ihn. Aber er hakte nicht. Immer wieder
beköderte Achim den Haken neu, warf aus und sofort tauchte die Wasserkugel ab. Es schien, als wenn die Fische nur auf diesen Köder gewartet hätten.
Inzwischen war die Flut so nahe gekommen, dass ich das Angeln einstellte. Achim wollte jedoch unbedingt einen großen Fisch fangen und
versuchte es weiter. Die Wellen knallten mit einer Wucht an die Felsen und das Wasser schwappte drüber, so dass Achim zeitweise nasse
Füße bekam. Doch das störte ihn nicht. Er war ganz heiß darauf einen dieser gierigen Fische an den Haken zu bekommen.
Ängstlich schaute ich mich um, denn den Weg, den wir gekommen waren, konnten wir nicht mehr zurückgehen. Die Steine waren durch das Wasser sehr glitschig geworden.
„Schatz, hör mit dem Angeln auf. Wir kommen hier gleich nicht mehr weg. Oder wir müssen hier bleiben und warten bis Ebbe ist.“
Noch bevor Achim antwortete wusste ich was er sagen würde. Und so kam es auch: „Ja, machen wir gleich. Ich will nur noch einmal auswerfen.“
Aus einmal wurde zweimal, aus zweimal wurde dreimal. „Ich gehe jetzt. Jedenfalls versuche ich hier weg zu kommen. Meine Kühltasche ist schon pitschenass.“
Endlich machte auch Achim Schluss. Als er bei mir war schaute er sich um. Erstaunt fragte er mich: „Wo können wir jetzt trockenen Fußes zurück?“ „Keine Ahnung. Es wird wohl nur über die dicken Steine gehen.“
Aber das war ein Irrtum. Da ging es nicht weiter. Wir standen sozusagen auf einer Felseninsel umgeben vom Meer. Doch dann entdeckte
Achim einen Ausweg. Wir mussten zwar durchs Wasser gehen, aber es war möglich. Als wir endlich wieder auf der Uferpromenade
angelangt waren, war ich froh. „Was sind wir Angler doch für verrückte Typen!“ konnte ich mir nicht verkneifen zu äußern. „Ja, mein
Schatz. Aber wer Fische fangen will, muss auch mal Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Aber es hat doch Spaß gemacht. Und morgen früh werde ich es erneut versuchen. Nachher fahren wir zum Papagayostrand.“
„Ist gut, aber vorher muss ich mir aus der Apotheke ein Hustenmittel holen. Und Taschentücher brauche ich auch.“
Auf der Fahrt nach Papagayo hielten wir kurz in der Nähe des Hafens von Playa Blanca an, wo ich mir in einer Apotheke Hustensaft und
Asthmaspray kaufte. Wenigstens nachts wollte ich einmal ohne Hustenanfälle schlafen können.
1998 wurde das Gebiet um den 560 m hohen Hacha Grande im Los Ajaches Gebirge zum Naturschutzgebiet erklärt. Bis dahin konnte
man ohne Probleme mit dem Auto fast bis an den Strand fahren. Heute verlangt die Gemeinde Yaiza von den Autofahrern eine
Eintrittsgebühr (3 €), was viele davon abhält an die wunderschöne Strände zu fahren. Über eine holprige Piste ging es bis zu den Stränden.
Zuerst kommt der 400 m breite Playa de Mujeres. Hier sonnen sich viele Besucher. Außerdem steht dort ein Imbisswagen. Der nächste
Strand ist der recht schmale und einsame Playa de Caletón, gefolgt vom 300 m langen, gut besuchten Playa del Pozo, in dessen Nähe eine
archäologische Ausgrabungsstätte (San Marcial de Rubicón) ist. Dann folgt die ebenfalls 300 m lange Playa de la Cera, an die sich die
malerische, windgeschützte, meistens aber überfüllte Playa de Papagayo anschließt. An diesem Strand ist auch FKK möglich. Zuletzt
folgen noch die flach abfallende Playa Caleta del Congrio und die knapp 100 m lange, dem Wind ausgesetzte Playa de Puerto Muelas. An letzterer sind im Sommer zahlreiche Camper.
Ich überlegte nicht lange, sondern deutete Achim an, dass er an der Gabelung links rum fahren sollte, zum Playa Playa de Muelas. Hier
herrschte zwar eine starke Brandung, aber der Strand war nicht so überfüllt. Außerdem war hier ebenfalls FKK möglich.
Wir stellten unseren Wagen auf einem Schotterplatz ab und überquerten eine Fläche, von der wir vermuteten, dass es ein Wasserreservoir
war. Dann bot sich uns ein Bild wie im Bilderbuch: Herrlich blauer Himmel, azurblaues, glasklares Wasser und ein wunderschöner weißer Sandstrand.
Wegen der noch andauernden Flut stellten wir unsere Taschen vorsichtshalber in einen Felsvorsprung. Als Achim sah, dass hier viele
nackte Besucher waren zog auch er sich splitterfasernackt aus. Ich blieb vorerst in meinem Bikini sitzen, doch als das Wasser meinen Po
umspülte zog auch ich mich aus. So war es viel angenehmer! Da die Sonne gnadenlos vom Himmel schien cremten wir uns vorsichtshalber
noch einmal ein. Am liebsten hätte ich mich sofort ins Wasser gestürzt, aber die starke Brandung hielt mich davon ab. Lediglich bis zum Po
wagte ich mich vor. Dann flüchtete ich wieder an den Strand. Achim machte die Brandung nichts aus. Er schwamm einige Zeit und kam
dann mit strahlendem Gesicht zu mir: „Das ist einfach traumhaft hier. Und das Wasser ist heute auch wärmer als gestern. Ich schätze mal, dass es 19° C hat.“
Als die Flut endlich zurückging und weil mein Körper ganz schön aufgewärmt war, wagte ich mich erneut ins Wasser. Doch die Wellen
kamen immer noch mit einer Wucht an, dass ich alsbald schon wieder zum Strand zurückging. Nachdem Achim noch einmal eine Rund geschwommen hatte zogen wir uns an und fuhren zurück nach Playa Blanca.
In einem Supermarkt kauften wir uns etwas zum Abendessen ein. Hier, in einem Sparladen hinter der Promenade gab es viel frisches
Gemüse, aber auch gutes Fleisch, wie wir schon vor 2 Tagen festgestellt hatten. Achim kaufte ein paar fertig gewürzte Koteletts,
Baguettebrot, Paprika, Gurke, Tomaten und eine Zwiebel und zauberte uns davon später ein hervorragendes Abendessen.
Auf der Terrasse war es bis zum Untergang der Sonne angenehm warm. Als es kühler wurde gingen wir in das Wohnzimmer, aßen zu Abend und schauten uns im Fernsehen einen Krimi an.
7. Tag
Ich hatte die Nacht Dank des Sprays besser geschlafen und fühlte mich um 5 Uhr morgens topp fit. Bis Achim gegen 8.30 Uhr das Bett verließ las ich meinen spannenden Krimi weiter. „Na, mein Schatz. Gut geschlafen?“
„Ja. Diese Nacht ging es. Nur der Schnupfen ist noch nicht besser geworden. Aber bei der Seeluft wird er sicher auch bald verschwinden. Was machen wir heute? Ich meine, bis zum Abend?“
„Ich werde gleich noch einmal zum Angeln runter gehen. Willst du mit?“ Ich antwortete: „Ich glaube schon. Aber lass uns zusehen, dass wir dieses Mal noch vor der Flut zurück auf der Promenade sind.“
Natürlich war das Wasser wieder am steigen, als wir am Ufer ankamen. Ich schaute eine zeitlang Achim zu, wie er versuchte mit einem
Tintenfischfetzen die Fische zu überlisten. Nach einigen Würfen wechselte er das Vorfach gegen ein Stahlvorfach aus, denn immer wieder
war der Haken ab. „Das können nur die kleinen Lippfische mit ihren scharfen Zähnen sein. Ich merke ja, wie sie am Köder ziehen. Na wartet! Mit mir nicht! Jetzt könnt ihr euch die Zähne ausbeißen.“
Als mir das Zuschauen zu langweilig wurde nahm auch ich meine Rute. Ich montierte die Wasserkugel an die Hauptschnur und nahm einen
6er Haken, auf den ich ein Stück Fischfetzen steckte. Die Wellen wurden inzwischen höher, so dass es recht schwierig war einen Biss auszumachen. Immer wenn ich den Köder kontrollierte, war er abgefressen.
Nach einer guten Stunde vergeblichen Angelns packten wir unsere Sachen, auch, weil die Flut inzwischen höher geworden war und die Steinpackung schon überspült wurde.
Zurück in der Ferienwohnung sagte ich zu Achim, dass ich gerne nach Puerto del Carmen fahren würde.
Gegen 12.30 Uhr parkten wir unseren Wagen etwas oberhalb des Hafens El Varadero. „Lass uns runter zur Uferpromenade und dann bis
zum Einkaufszentrum gehen. Anschließend fahren wir bis zum Hotel San Antonio. Das liegt von hier aus gesehen am Ende von Puerto del
Carmen. Ich möchte dir gerne die kleine Bucht zeigen, in der ich vor 30 Jahren gebadet habe.“
Hier am Rand des touristischen Geschehens konnte man noch ein wenig von der früheren Schönheit des Fischerortes erahnen. Da es
Mittagszeit war setzten wir uns in ein Restaurant, von dem wir einen herrlichen Blick auf das Hafenbecken hatten, und bestellten uns
„Schwertfisch mit kanarischen Kartoffeln“. Anschließend spazierten wir weiter zum Hotel Los Fariones.
„Wollen wir nicht zurückgehen?“ fragte Achim. „Gleich. Komm mit. Ich möchte dir mal den Playa Grande, den größten Strand von Puerto del Carmen von hier aus zeigen.“ Er ist nur
einer von insgesamt 8 Stränden mit einer Gesamtlänge von 6 km. Schon damals hatte es mich abgestoßen, dass dort die Liegestühle mit den Sonnenschirmen Reihe an Reihe standen. Im Laufe der Jahre
hat ihre Zahl sogar zugenommen, wie wir sehen konnten. Kein Wunder, gibt es doch inzwischen mehr als 30.000 Betten in dem Ort.
„Was meinst du? Wollen wir nicht ein Stückchen am Strand entlang gehen?“ fragte ich Achim. „Können wir machen, wenn es nicht zu weit wird.“
„Ach nein. Bis zu „meiner“ Bucht ist es nicht weit. Damals bin ich jeden Tag diese Strecke gegangen.“
Als wir weitergingen ahnte ich nicht, wie weit es tatsächlich sein sollte. Bei sengender Hitze gingen wir fast bis zum Ende der Ortschaft.
Unterwegs hielt ich immer wieder nach Geschäften und Bars Ausschau, die ich von früher kannte. Besonders gerne hatte ich in der
Bagatela Bar gesessen um dort einen riesigen Eisbecher zu verzehren. Nach mehreren hundert Metern (oder waren es sogar Kilometer?)
rief ich erfreut: „Achim, schau mal. Dort ist die Bagatela Bar! Dort muss ich auf den Rückweg einen Eisbecher essen!“ „Sind wir denn noch nicht da, wo du hin willst?“
„Nein. Aber es ist nicht mehr weit“ trieb ich Achim an. Endlich standen wir vor „meiner“ Bucht. Aber sie sah heute recht trostlos aus. Kein bisschen weißer Sand war mehr vorhanden. Nur
Steine und Geröll waren zu sehen.
„Zuhause müssen wir uns unbedingt noch einmal meine alten Dias anschauen, damit du vergleichen kannst, wie es einmal ausgesehen hat. Heute würde mich die Bucht auch nicht mehr reizen. Schade, sehr schade!“
Auf dem Rückweg benutzen wir die andere Straßenseite. Nach wenigen Metern rief ich erstaunt aus: „Das gibt es doch nicht! Da, der kleine Supermarkt Francesca, dort habe ich immer eingekauft.“
Wir mussten noch einige Meter laufen bis wir zur Bagatela Bar kamen. Inzwischen ist sie eine Snackbar. Ansonsten sah noch alles genau
so aus wie damals. Wir setzten uns an einen Tisch. „Wollen wir ein Bier trinken?“ fragte Achim. „Ein Bier? Hier? Nein, hier muss ich Eis essen!“ erwiderte ich. „Das gibt’s hier nur in der Waffel.“
Als der Ober kam fragte ich nach der Eiskarte. Es gab tatsächlich noch eine, aber es standen nur 6 verschiedene Eisbecher darauf. Meinen
Lieblingsbecher, den mit vielen Früchten und Sahne, gab es nicht mehr. Achim zeigte auf ein Schild: „Schau mal, hier gibt es Erdinger
Weißbier. Das bestelle ich mir jetzt.“ Ich zögerte einen Moment. Ein Weißbier hätte ich auch gerne mal wieder getrunken. Doch dann entschied ich mich für einen Eisbecher. Tradition ist eben Tradition.
Nach dieser Verschnaufpause machten wir uns auf den Rückweg zum Auto. Der Rückweg zog sich unendlich lang dahin. Der Hinweg, so
schien es mir, war viel kürzer gewesen. Vielleicht kam es mir so vor, weil ich von Erinnerungen getrieben wurde. Als wir endlich wieder in unserem Auto saßen waren wir geschafft vom langen Fußmarsch.
Gegen 16.45 Uhr saßen wir in unserer Ferienwohnung.
Während Achim für uns das Abendessen zubereitete ruhte ich mich ein wenig aus, denn um 18.30 Uhr mussten wir schon wieder am
Treffpunkt beim Timanfaya Hotel sein, von wo uns ein Bus zum Konzert nach Cueva de los Verdes bringen sollte.
Wir waren 10 Minuten vor der Abfahrtszeit dort, aber der Bus kam nicht pünktlich. Die Spanier nehmen es mit der Zeit nicht so genau.
Erst eine Viertelstunde später konnten wir einsteigen. Und dann sammelte er an den verschiedenen Hotels noch weitere Fahrgäste ein.
Da es noch hell war fuhr der Bus nicht die Schnellstraße (hier „Autobahn“ genannt), sondern nahm die Strecke durch das Weinanbaugebiet La Geria. In völliger Dunkelheit kamen wir an unserem Ziel an.
Als wir ausstiegen herrschte ein kühler kräftiger Wind, aber wir hatten ja Gott sei Dank einen warmen Pullover mitgenommen. In der Höhle
selbst war es angenehm warm. Dort herrschen Sommer wie Winter immer Temperaturen um die 18 – 19 °C.
Das Höhlensystem von Cueva de los Verdes ist mit 7 km das längste weltweit. Es beginnt am Corona Vulkan, verläuft durch den James del Agua und endet schließlich im Meer.
Der Name „Los Verdes“ stammt nicht von einer grünen Farbe her, sondern ist der Name einer Familie, dort während der
Vulkanausbrüche 1730 – 1736 dort untergekommnen sein soll. Auch viele andere Einheimische waren in den Norden geflüchtet und hatten dort solche Höhlen bewohnt.
Für die Guanchen waren diese Höhlen ein Zufluchtsort vor Piraten. Wegen der meist engen Einstiege konnten sie gut verteidigt werden.
Insgesamt hat man 66 weitere kleinere Höhlen gefunden. Man vermutet, dass sie früher den Altkanariern als Wohnsitz gedient haben.
Trotz des spärlichen Lichtes sind an den Wänden die unterschiedlichsten Farben zu sehen. Sie stammen von den unterschiedlichen
Mineralien wie Calciumcarbonat, Eisenoxid, Phosphor und Magnesium (weiß, rot, gelb und schwarz), die dort vorkommen. Rechts und
links des Weges bestaunten wir die versteinerte Lava. An der Tunneldecke war deutlich zu erkennen, wie die allmählich fest werdende Lava im Abkühlungsprozess zähe Tropfen gebildet hat.
Wir bestiegen die Höhle durch den Ausgang und gingen durch schmale Steintreppen bis zum „Konzertsaal“, der am tiefsten Punkt der
Höhle, also ca. 50 m unter der Oberfläche, lag. An dieser Stelle, so hieß es, sei die Akustik besonders gut, besser sogar als in den Jameos
del Agua. Aufgrund des porösen Gesteins gibt es hier so gut wie kein Echo. In den 70er Jahren besuchte der Virtuose Yehudim Menuhim die Höhle und testete mit seiner Violine die hervorragende Akustik.
Das Konzert, welches um 21 Uhr beginnen sollte, verzögerte sich, wie sollte es auch anders sein, um mehrere Minuten. Dann endlich
erschienen die Künstler: Javier Diaz Gonźalez, geb. 27.10.72 auf Teneriffa, spielte auf dem Klavier und Iya Zhameva, geb. am 11.2.1975
in Russland, Violine. Es wurden Stücke von Ludwig van Beethoven und Edvard Grieg gespielt. Der Klang in der Höhle war wirklich einmalig und wunderschön.
Gegen 23.30 Uhr saßen alle wieder im Bus, der uns zu unseren Hotels brachte.
8. Tag
Da wir uns tags zuvor erst gegen 2 Uhr schlafen gelegt hatten, standen wir etwas später als sonst auf. Es war schon fast Mittag, als wir wieder zu den Papagayo Stränden fuhren.
Ich wäre lieber an einen der ruhigeren Strände gegangen, d.h. an einen Strand, wo die Wellen nicht so hoch und stürmisch sind, aber
Achim meinte, dass es dort sicher zu voll sein würde. „Du hast doch die vielen Pkws gesehen, die nach rechts abgebogen sind. Lass uns
wieder an den Strand, wo wir schon einmal waren. Mir hat es dort gut gefallen. Und gerade das Baden in den Wellen macht riesigen Spaß.
Außerdem möchte ich mich nackig sonnen, das geht doch an den anderen Stränden nicht, hast du gesagt.“
„Okay. Aber wir haben Flut. Es wird sicher nicht leicht werden, einen Platz zu finden, der nicht schon bald unter Wasser steht“, antwortete ich.
Wir fuhren zum Puerto Muelas und gingen ein Stückchen am Strand entlang, bis wir einen schönen Platz fanden. Doch es dauerte nur wenige Minuten bis der Strand überspült wurde.
„Achim, mach was! Bau eine Mauer mit einem Graben um unseren Liegeplatz, sondern liegen wir gleich im Wasser“, forderte ich Achim auf.
Eine gute Stunde lang waren wir geschützt, dann schwappte das Wasser über unsere Sandmauer. Als Achims Handtuch nass wurde
verzogen wir uns an einen anderen, etwas höher gelegenen Platz. Unsere Sachen hatten wir sicher auf ein paar Felsen gestellt. Leider
verzog sich die Sonne immer wieder hinter den Wolken, die inzwischen am Himmel waren. Der Nord-West-Wind war recht stürmisch und
auch kalt, so dass ich mich wieder warm anzog. Bei der Erkältung, die ich schon seit Tagen hatte und die nicht weichen wollte, wollte ich
nicht noch mehr riskieren. Gegen 16 Uhr wollte ich zurück fahren, aber Achim lockte erneut das Meer und er stürzte sich mutig in die
hohen Wellen. Eine Stunde später saßen wir wieder vor dem kalten Wind geschützt im Wagen. Bevor wir jedoch zurück nach Playa
Blanca fuhren wollte Achim sich gerne einmal die anderen Strände anschauen. Also bogen wir an der Gabelung nach links ab und fuhren Richtung Meer.
Vom Parkplatz aus hatte man einen schönen Blick über die anderen Strände. „Schau mal links. Dort an dem Strand bin ich das schon gewesen, als ich das erste Mal auf Lanzarote war. Damals konnte man dort noch
FKK machen, weil hier kaum jemand hinkam. Heute ist es dort nicht erlaubt. Hier kommen die meisten Familien mit kleinen Kindern hin,
weil es hier ungefährlich ist zum Baden. Das Restaurant mit der Terrasse gab es damals auch schon.“
Wir schauten nach rechts und sahen drei weitere schöne Strände. Keiner von ihnen war überfüllt, überall gab es genügend ruhige Plätzchen. Man musste lediglich einige Meter laufen um dort hinzukommen.
Von der Steilküste, an der wir standen, hatte man auch einen tollen Blick auf Playa Blanca. Überhaupt gab und gibt es für mich keine
schönere und landschaftlich interessantere Insel als Lanzarote. Ich war glücklich, dass auch Achim von ihr begeistert war. Nicht alle
Besucher mögen Lanzarote. Manchen ist sie zu kahl und sie kommen nie wieder hier hin. Andere sind von ihr sofort begeistert – so wie ich – und kommen schon bald wieder zurück.
Auf der Fahrt zu unserem Bungalow hielten wir kurz an einem Supermarkt an, kauften uns etwas frisches Gemüse und Brot, denn wir
hatten keine Lust uns abends wieder in ein Restaurant zu setzen. Gemütlich ließen wir den Tag bei einer Flasche Wein (Malvasia aus La Geria) ausklingen.
Oerlinghausen, den 25.05.2008
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