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Angelurlaub in Schweden am Åsnen in Småland 26.04. – 14.05.2003
Teil I
Sa., 26.04.
Schon lange vor unserem geplanten Urlaub in Schweden hatten wir uns ausgiebig informiert, wie wir Hechte zu fangen hätten. Aus allen möglichen Angelzeitschriften hatte ich die Berichte, die mit Hechtfängen zu tun hatten, abgetippt und in einem Ordner
zusammengestellt. Dieser kam dann natürlich als erstes in den Koffer. Meine Tochter hatte uns vor einiger Zeit Videofilme von
ihrem Kollegen mitgebracht, die sich zwar hauptsächlich mit Welsangeln befassten, aber darunter war auch der Blinker-Film „Das
fischende Auge“, den wir sehr interessant fanden. In diesem Angelfilm wurde hauptsächlich mit dem Gummifisch „Attractor“
gefangen und so kauften wir uns nach und nach diese in den verschiedensten Farben und Größen. Außerdem hatte ich für einige
Berichte, die ich die im Internet veröffentlicht hatte, als Dankeschön ein Raubfisch-Posen-Set und eine Auswahl an Blinkern bekommen. So ausgestattet musste es einfach ein erfolgreicher Urlaub werden.
Wir hatten uns Freitagabend kaum schlafen gelegt, als auch schon wieder der Wecker klingelte. Um 1.00 Uhr war die Nacht zu
Ende. Doch dieses Mal klang der Ton des Weckers anders, irgendwie melodischer, denn es hieß die langersehnte Reise nach
Schweden anzutreten. Bis auf ein paar Kleinigkeiten hatten wir den Wagen schon tags zuvor gepackt. Schnell zwei Tassen Kaffee getrunken und dann nichts wie los!
Pünktlich um 2.00 Uhr starteten wir. Um diese Zeit war die Autobahn fast leer und so kamen wir schnell voran. Schon um 6.35
Uhr waren wir auf der Fähre in Puttgarden, die uns nach Rødby (Dänemark) brachte. Die Überfahrt dauerte 45 Minuten und bot
uns die Möglichkeit in aller Ruhe zu frühstücken und ein wenig unsere Füße auszutreten. In Rødby angekommen, fuhren wir weiter
Richtung Kopenhagen und dann über die Öresundbrücke nach Malmoe. Nun waren wir in Schweden! Die ganze Fahrt hatte es
geregnet, aber als wir in Schweden ankamen schien die Sonne. Von Malmoe bis nach Knutsagård, unserem Zielort, waren es
noch ca. 230 Kilometer. Je näher wir unserem Urlaubsziel kamen, desto „steiniger“ wurde die Landschaft. Riesige Wälder und
unendliche viele Seen und Flüsse breiteten sich vor uns aus. Die großen Steine wachsen dort regelrecht aus dem Boden, weshalb
die ansässigen Bauern nie mehr Land umpflügen, als unbedingt notwendig. Man könnte sagen, die Schweden sind steinreich und haben viel Holz vor der Hütte.
Um 12.30 Uhr waren wir glücklich an unserem Ziel angekommen. Ulli und Mona. unsere Vermieter, schauten verdutzt drein. So früh hatten sie uns nicht erwartet. Eigentlich sollten wir vor 14 Uhr nicht
ankommen, aber die Hinfahrt ging so flott voran, dass wir selbst überrascht waren. Das Häuschen, unser Domizil für die nächsten 19 Tage, war schon
tipp topp in Ordnung gebracht worden, so dass wir es gleich beziehen konnten. Natürlich führte uns der erste Weg zum Åsnen. Der Åsnen in Småland hat eine Wasserfläche von ca. 150 km², die in ihrer größten
Längenausdehnung fast 70 km misst. Er ist von zahllosen Inseln durchsetzt, so dass die sichtbare Wasserfläche kaum mehr als ein paar Kilometer beträgt.
Für die brütenden Vögel, aber auch für den Fischbestand sind die Inseln von großer Bedeutung, finden sie doch dadurch gute Deckung und
Laichmöglichkeiten aller Art. Durch den kalkhaltigen Seeuntergrund, der einen ph-Wert von 7,0 misst, erfüllt der See alle Kriterien für einen artenreichen und
gesunden Fischbestand. Ca. 20 Fischarten kommen in diesem riesigen See vor, aber der Brotfisch der Schweden bleibt der Hecht. Ihn gibt es von ganz
klein bis riesengroß. Der Zander ist der zweitwichtigste Fisch im Åsnen. Davon abgesehen, dass es bedeutend schwieriger ist ihn zu fangen als den
Hecht, hatte er auch gerade Schonzeit (1.5. – 31.5.), als wir dort unseren Urlaub verbrachten. Das war nicht weiter tragisch, den Zander fingen wir ja
genügend zuhause. Hier im Åsnen wollten wir natürlich hauptsächlich Hechte fangen.
In einer kleinen Bucht, nur wenige Meter von unserem Häuschen entfernt, lag das Boot, mit welchem wir die nächsten 17 Tage
unsere Freizeit auf dem Wasser verbringen wollten. Ulli zeichnete uns auf der Seekarte die fängigsten Stellen ein und gab uns auch die wichtigsten
Angeltipps was Rute, Rolle, Schnur, Köder usw. betraf. „Das wissen wir doch alles. Wir angeln ja nicht erst seit heute. Und ich habe auch viele
Berichte über das Hechtangeln gelesen“, meinte ich vielleicht etwas schnippisch zu Ulli. Er soll nicht so viel reden, ich möchte aufs Wasser, dachte
ich bei mir. Am liebsten wäre ich sofort auf den See rausgefahren, aber Achim bremste mich und meinte, wir sollten uns erst einmal in aller Ruhe unsere
Bleibe anschauen, schon einmal die nötigsten Sachen auspacken und uns dann von der langen Fahrt entspannen. Zum Angeln bliebe uns noch genügend Zeit.
Wie recht Achim hatte, merkte ich gegen 18 Uhr, als wir uns zum ins Bettgehen entschlossen und sofort einschliefen. Kein Wunder, hatten wir beide doch die Nacht zuvor nur 3 Stunden geschlafen.
So., 27.04.
Der erste Urlaubstag! Um 6.30 Uhr hielt mich nichts mehr im Bett. Ich schaute aus dem Fenster und war etwas enttäuscht. Die
Temperatur zeigte 7° an und es nieselte. Drei Stunden später hatte der Nieselregen aufgehört, aber nun blies ein kräftiger Wind.
Wir bereiteten unsere Ruten zum Schleppen vor und machten uns auf dem Weg zum Anleger. Das Boot schwankte auf den
Wellen und mir war etwas mulmig zumute, als ich das erste Mal meinen Fuß darauf setzte. Dann hatte ich es geschafft und war im
Boot. Stocksteif saß ich auf der mittleren Bank und mein Magen schlug Purzelbäume. Wir wollten zu der tiefen Stelle fahren, wo
die Hechte an den Kanten lauern, wie uns Ulli sagte. Aber nach einigen Metern Fahrt drehten wir wieder um, denn der Wind hatte
zugelegt und das Bootsfahren unmöglich gemacht bei den hohen Wellen. Teils war ich traurig, dass wir nun keine Hechte fangen
konnten, andererseits war ich froh wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. So ganz geheuer war mir das Bootfahren doch nicht.
Wieder in unserem Häuschen angekommen, überlegten wir, was wir tun könnten. Ulli hatte uns tags zuvor auch noch die Brücke
in Torne genannt, wo es nicht nur Hechte, sondern auch Zander zu fangen gäbe. Noch bestand die Möglichkeit auf Zander zu angeln, aber schon ein paar Tage später begann die Schonzeit.
Wir setzten uns also ins Auto und fuhren mehrere Kilometer um den See herum, bis wir endlich in Torne angekommen waren. Die
Windverhältnisse waren hier unterschiedlich. Mal blies ein kräftiger Wind, kurze Zeit später war es absolut windstill. Achim blinkerte von der Brücke und ich bestückte meine Rute mit einer
Raubfischpose und zog 2 Rotwürmer auf den Haken. Es dauerte auch nicht lange bis die Pose abtauchte und die erste große Brasse am Haken hing.
Weißfische gibt es im Überfluss und daher dürfen sie auch nach dem Fang nicht wieder reingesetzt werden. Nachdem ich eine zweite Brasse gefangen
und Achim mit dem Blinkern ebenfalls keinen Erfolg hatte, fuhren wir wieder zurück. Kurz vor unserer Siedlung führt eine Brücke über einen Fluss, der in
den Åsnen fließt. Hier fingen wir erst einmal mit Maden ein paar Ukeleien. In Schweden ist das Angeln mit lebendem Köderfisch erlaubt und so hakte
Achim einen Drilling in den Rücken einer Ukelei und warf seine Rute, die mit einer großen Pose bestückt war, an die Stelle, wo er kurz zuvor einen Hecht
hatten rauben sehen. Doch als sich 2 Stunden lang nichts tat, packten wir unsere Angelsachen wieder ein und machten es uns in unserem Ferienhaus gemütlich. Morgen war auch noch ein Tag. Vielleicht
klappte es dann ja mit dem Schleppen.
Mo., 28.04.
Heute war es zwar immer noch windig, aber wenigstens regnete es nicht. Um 9.30 Uhr fuhren wir mit dem Boot hoffnungsvoll auf
den See hinaus, kehrten aber wegen dem hohen Wellengang doch bald wieder um und fuhren dieses Mal in den Fluss bis kurz vor
die Brücke, wo wir gestern die Köderfische gefangen hatten. Hier war es schön windstill, aber außer Brassen, Rotfedern und
kleinen Barschen biss nichts Vernünftiges an. Gegen Mittag kam dann die Sonne durch und es wurde etwas ruhiger auf dem
Wasser, so dass wir uns erneut auf den See raustrauten. Wir fuhren ca. eine Stunde, als wir es mit dem Schleppen versuchten.
Zuerst boten wir als Köder einen lebenden Köderfisch am System an, später versuchten wir es mit Blinker und Gummifische
(Attractor). Interessant fand ich, dass auf den Steinen nach einiger Zeit Gräser und Bäume wuchsen, so dass richtige kleine oder
auch größere Inseln daraus wurden. Auf diesen brüteten viele Vogelarten. Ca. 4 Prozent des Sees sind als Naturschutzgebiet
gekennzeichnet und dürfen zu bestimmten Jahreszeiten nicht angefahren werden. Als wir an einer kleinen Insel mit Kiefern vorbei
fuhren, flog ein Fischadlerpärchen auf und mit lautem Geschimpfe davon. Sie hatten im Gipfel der Kiefer ein Nest und wollten uns
weglocken. Wir tickerten weiter und legten in einer kleinen Bucht an, die rundherum von Schilf umsäumt war. Hier müsste es doch
möglich sein, Hechte zu fangen. Zuerst probierten wir es wieder mit Köderfisch und Pose. Aber als sich nichts tat, drehten wir
wieder um. Wir versuchten es auf der Rückfahrt noch einige Zeit mit Schleppen, aber wenn die Schnur von der Rolle gezogen
wurde, dann war es jedesmal ein Hänger, aber kein Biss. Um 18.30 Uhr legten wir wieder am Steg an. „Na gut, wenn nicht heute,
dann morgen. Irgendwann müssen sie ja mal beißen. Außerdem ersparen wir uns heute die Arbeit des Fischeausnehmens“, sagte
ich zu Achim. Aber es war mehr Galgenhumor. Ich war doch ganz schön traurig, dass wir noch keinen Hecht gefangen hatten.
Di., 29.04.
Als ich um 8.45 Uhr aufgestanden war, regnete es stark. Der Regen selber machte uns ja nichts aus, dafür hatten wir Kleidung.
Aber es sollte auf keinen Fall windig sein, denn dann würde aus dem Bootsfahren bzw. Schleppen wieder nichts werden. Alle
Naselang schaute ich aus dem Wohnzimmerfenster nach der schwedischen Flagge. Sie wehte leise vor sich hin. Auch Achim ging
erst einmal vor die Tür um nach dem Wetter zu schauen, als er aufgestanden war. Um 11 Uhr entschlossen wir uns dann doch
aufs Boot zu gehen, obwohl es immer noch sehr windig war. Zuerst fuhren wir erneut zu der Stelle, wo wir schon gestern waren.
Dort, in der Nähe des „Loches“ (eine Stelle, wo die Wassertiefe auf der Seekarte mit 6 Metern angegeben ist), wollten wir an der
Kante blinkern. Auf dem Weg dorthin hatten wir es mit schon vergeblich mit Schleppen versucht. Als wir am „Loch“
angekommen waren, stellten wir fest, dass das Blinkern dort durch den hohen Wellengang gar nicht möglich war. Also schmiss
Achim den Motor an und steuerte das Boot in eine andere Bucht, wo es ruhiger war. Wir hatten „vorsichtshalber“ nicht nur unsere
Schleppruten, sondern auch einige andere mitgenommen. In der Bucht stippte ich mit einer Made auf Rotfedern oder Ukeleien.
Achim montierte eine Segelpose auf die Schnur seiner Rute und befestigte dann den Drilling im Rücken des Köderfisches. Dann
warf er die Rute in Richtung Schilfkante aus. Die Wasserfläche war hier sehr glatt, so dass wir die Fische hätten springen und
rauben sehen können. Aber auch hier tat sich absolut nichts. „Wo zum Teufel stecken die tausend Hechte, die es hier geben soll?“
Wir probierten es noch einige Zeit, dann holten wir den Anker rein und fuhren an eine andere Stelle in dieser großen Bucht.
Inzwischen war es 14 Uhr und die Sonne schien uns ins Gesicht. Doch in der Ferne waren die ersten dunklen Wolken zu sehen,
die langsam auf uns zukamen. Eine Stunde später wurde es immer dunkler um uns herum und es kam ein stärkerer Wind auf.
Dann fing es stark zu regnen an. Wir entschlossen uns noch etwas zu bleiben, bis die schwarzen Wolken abgezogen waren. Da
der Regen nur so vom Himmel prasselt, saß ich nach vorne gebeugt mit meiner Kapuze auf dem Kopf im Boot und harrte der
Dinge, die da kommen sollten. Dass Achim im Boot stand und mit einem schwimmenden Wobbler an der Schilfkante angelte,
hatte ich gar nicht bemerkt. Plötzlich hörte ich ihn hinter mir rufen: „Ich habe einen!“ Ich schaute mich verdutzt um. Da rief er mir
schon zu: „Es ist ein Hecht. Nimm schon mal den Kescher.“ Sofort ließ ich den Regen Regen sein und packte mir den Kescher.
Einen Moment später hatten wir ihn. Meine Freude war übergroß. Unser erster Åsnen-Hecht. Er war zwar nicht sehr groß, aber immerhin 66 cm lang und 2 kg schwer.
Für den Anfang schon recht schön. Sofort packte auch mich wieder das Angelfieber. Schnell nahm ich meine Rute und montierte
ebenfalls einen Blinker an Stahlvorfach. Inzwischen schien auch wieder die Sonne, nur der Wind hatte immer noch nicht
nachgelassen. Leider hatte ich keinen Biss zu vermelden und auch Achim fing nichts mehr, so dass wir gegen 17 Uhr die Rückfahrt
antraten. Wegen des hohen Wellengangs war es schwierig, die vielen großen Steine im See rechtzeitig auszumachen. Achim
steuerte das Boot also sehr langsam und vorsichtig über die Wasserfläche. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis wir am Steg
anlegten. Nun gut, wir hatten nicht viel, aber immerhin einen Hecht gefangen. Vielleicht war das ja das Zeichen, dass es endlich besser werden würde.
Mi., 30.04.
Auch an diesem Morgen schien die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Da machte es mir auch gar nichts aus, dass ich schon
wieder so früh (7.00) wach wurde. Draußen zwitscherten die Vögel ihr Morgenlied und ich war unheimlich gespannt, ob und wie viel wir wohl heute fangen würden.
Auch um 11 Uhr, als wir das Boot bestiegen, war immer noch kein Wölkchen am Himmel zu sehen. Wie schön. Und wenn auch
ich heute einen Hecht fangen würde, wäre das noch viel, viel schöner, dachte ich.
Unser Boot mit seinem 4-PS-Motor tuckerte gemütlich über die Wasseroberfläche. Dieses Mal fuhren wir nicht nach links unten
(s. Inselkarte), sondern an der Küste entlang nach oben, zu einer neuen fängigen Stelle, wie Ulli meinte. Dort ankerten wir in einer
Bucht, wo wir mit Köderfisch und Pose auf Hechtjagd gehen wollten. Zuerst war es dort auch relativ ruhig, doch dann kam auch dort wieder etwas Wind auf.
Mit der kleinen Stipprute fingen wir erst ein paar Rotaugen, die wir danach mit einem Drillingshaken und Stahlvorfach an die
Posenrute montierten. Die Bucht war so groß, dass wir uns beim Auswerfen nicht in die Quere kamen. Achim entschied sich für
die linke und ich für die rechte Seite der Schilfbucht. Hier, wo genug Futterfische vorhanden waren, mussten doch auch Hechte
stehen, so glaubten wir. Geduldig warteten wir darauf, dass eine unserer Posen abtauchen würde. Das wäre ein untrügliches
Zeichen, dass sich ein Hecht den Köderfisch geschnappt hätte. Doch unsere Posen tanzten auf dem Wasser, ohne das eine von ihnen unterging.
Ein wenig enttäuscht fuhren wir gegen 16 Uhr zurück. Unterwegs überlegten wir uns, es noch einmal in der Bucht zu probieren,
wo Achim gestern seinen Hecht gefangen hatte. Auf dem Weg dorthin drosselte Achim den Motor und wir schleppten mit
Wobbler und Blinker bis in die Bucht, aber außer mehreren Hängern gab es keine Abwechselung. Dadurch, dass der Untergrund
sehr steinig war, kam das relativ oft vor. Gottseidank bekamen wir unsere Kunstköder – bis auf einige wenige – alle wieder frei. Ansonsten wäre es ein teuerer Spaß geworden.
In der Bucht angekommen versuchten wir es ebenfalls mit Spinnfischen, aber entweder hatten auch dort die Hechte keinen
Appetit oder sie waren nicht da – was ich jedoch einfach nicht glauben wollte. Aber warum wir dennoch keinen fingen, konnte
ich mir auch nicht erklären. Der Åsnen ist als sehr gutes Hechtgewässer bekannt. Ulli hatte uns gesagt, dass einmal 14 Angler in 7
Tagen 310 (!) Hechte gefangen hätten. Das glaubte ich ihm ja und freute mich für sie, aber das brachte mir auch nichts ein. Und
was wollte Ulli uns damit sagen? Das wir etwas falsch machten, weil wir erst einen Hecht gefangen hatten? Oder das wir uns zu dumm anstellten?
Der Wind hatte inzwischen zugelegt und uns schlugen 1 m hohe Wellen entgegen, als wir uns auf den Rückweg machten. Am Steg
angekommen, sahen wir einen anderen Angler (er wohnte im Haus neben uns), der gerade dabei war seine 4 gefangenen Hechte
auszunehmen. Neidisch guckte ich auf seinen Fang. Die Hechte waren zwar alle nicht sehr groß, so zwischen 50 und 60 cm, aber
immerhin hatte er wenigstens welche gefangen. Und wir? Auf der Fahrt zur Bucht hatten wir den Angler am „Loch“ blinkern
gesehen. Ich fragte ihn, ob er uns verraten würde, mit welchen Ködern er seine Hechte gefangen hätte. Er war nicht gesprächig
(vielleicht wollte er uns diese Frage auch nicht gerne beantworten), sondern zeigte nur mit der Hand auf seine beiden Ruten, die
noch im Boot lagen. An der einen hing ein weiß-roter Wobbler, an der anderen ein Firetiger. Außerdem fiel mir auf, dass er über
ein Echolot verfügte. „Aha, daher weht der Wind! Der fängt etwas, weil er ein Echolot hat“, sagte ich zu Achim als wir
weitergingen. „Wenn wir auch über ein Echolot verfügen würden, hätten wir sicher auch schon mehr gefangen. Aber Ulli hat ja
keines für uns. Das finde ich richtig besch...eiden.“ Achim wollte mich wohl trösten und antwortete, ein Echolot wäre zwar schon
hilfreich, aber nicht unbedingt nötig. Weiter tröstete er mich, indem er meinte, wir würden unsere Fische schon noch fangen. Doch
ich glaubte ihm nicht. Wie recht er behalten sollte wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im Moment sah es jedenfalls sehr trübe aus.
Schon als wir unseren Urlaub in Schweden buchten, hatten wir Ulli gleich mitgeteilt, dass wir ein Boot mit Motor und natürlich
auch ein Echolot haben wollten. Bei unserer Ankunft hatte Ulli auch eines für uns, aber als wir es am Wasser ausprobierten,
funktionierte es nicht. Und ein anderes hatte er nicht für uns. Zwar hätte er 3 weitere bestellt, aber die bekäme er erst Mitte Mai, also wenn wir schon wieder weg wären. So ein Mist! Ich war stinksauer.
Do., 01.05.
Auch heute war ich schon wieder sehr früh wach (6.00). Da Achim noch schlief, kochte ich mir erst einmal einen Kaffee und las
ein wenig in einem Krimi. Ständig schaute ich aus dem Fenster. Die schwedische Fahne (sonnengelb auf himmelblau) wehte im
Nieselregen leicht vor sich hin. Nach einer halben Stunde ging der Nieselregen in Regen über und ein stärkerer Wind kam auf.
Als Achim am Frühstückstisch saß, überlegten wir, wo wir wohl heute angeln könnten. Mit dem Boot rauszufahren kam nicht in
Frage, dafür war es einfach zu stürmisch. Vielleicht würde es ja gegen Mittag besser werden, dachten wir hoffnungsvoll. Wir
setzten uns ins Auto und fuhren nach Väckelsäng in den Supermarkt. Zurück vom Einkaufen gingen wir noch einmal zum See, in
der Hoffnung, dass sich der Wind etwas gelegt hätte. Aber das war nicht der Fall. „Wir sind doch erst ein paar Tage hier und
haben noch genügend Zeit Hechte zu fangen“, meinte Achim, als er mein enttäuschtes Gesicht sah. „Lass uns mal ein bisschen die
Gegend erkunden“. Vom Steg aus gingen wir links durch das Wäldchen und kamen an den Fluss, der in den Åsnen fließt. Wieder
mit dem Auto zu einer Brücke zu fahren hatte ich keine Lust, aber es würde mir Spaß machen etwas am Fluss zu peitschen.
Da es nach Regen aussah und wir alle unsere Ruten mit an den Fluss nehmen wollten, packten wir sie ins Auto und fuhren das
kleine Stück dorthin. Wir konnten ganz in der Nähe des Ufers parken, was auch gut war, denn schon nach einigen Minuten
öffnete der Himmel seine Schleusen und wir flüchteten vorerst ins Auto. Nach 10 Minuten war der Spuk vorbei und wir saßen
wieder am Ufer. Mit der neuen kleinen Rute stippten wir nach Ukeleien. Wir hatten aus Deutschland vorsichtshalber ein paar
Maden und Rotwürmer (Dendrobena) mitgebracht, die bei den Fischen einen reißenden Absatz fanden. Die Dendrobena hatten wir uns von Hubert Brehm www.dendrobena.de schicken lassen. Diese Würmer kann ich nur empfehlen, sie sind sehr lebendig
und lassen sich über Monate aufbewahren. Kaum war der Köder im Wasser, hing au ch schon eine Ukelei oder eine Rotfeder dran.
Achim seine beiden Schwingspitzruten auf Grund gelegt. Als Köder hatte er jeweils ein Rotwurmbündel dran. Doch nach der 5. Brasse änderte er seine
Montage. Er nahm zwei der vielen Köderfische, die ich inzwischen gefangen hatte und schob einer den Drilling durch den Rücken und der anderen oben
durch das Maul. Darauf würden jetzt sicher keine Brassen oder Rotaugen mehr beißen. Wenn sich etwas täte, dann wäre es mit Sicherheit ein Raubfisch.
Es dauerte auch gar nicht lange, als von einer der Schwingspitzruten eine Menge Schnur von der Rolle gezogen wurde. Vielleicht hätte Achim sofort
anschlagen sollen, denn einen Moment später hing die Schwingspitze wieder schlaff herunter. Fehlalarm? Hatte der Fisch nur
daran geschnuppert? Achim gab noch etwas Schnur und wartete einen Moment. Aber es tat sich nichts mehr. Als er kurze Zeit
darauf seine Rute reinholte, sahen wir, dass der Köderfisch seitlich Bisswunden hatte. Das war sicher ein Hecht oder vielleicht ein großer Barsch gewesen! Nur schade, dass er den Köder nicht geschluckt hatte.
Nach einer Stunde fing es wieder so stark zu regnen an, dass wir uns für eine weitere Viertelstunde ins Auto flüchteten. Dann
hellte der Himmel wieder auf und wir angelten weiter. Achim nahm einen weiteren quicklebendigen Köderfisch und warf seine Rute erneut aus. Doch wir warteten vergeblich auf einen Biss.
Ich hatte, während ich weiter nach Köderfische stippte, meine Posenrute, mit einem lebenden Köderfisch am Drilling, treiben
lassen. Dabei konnte ich beobachten, wie das Fischchen flussabwärts schwamm und dann in der Kurve am Ufer ins Schilf zu
flüchten versuchte. „Vielleicht schwimmt es ja direkt dem Räuber in den Rachen“, sagte ich zu Achim. „Das könnte sein. Die
Stellen sehen jedenfalls >hechtverdächtig< aus.“ Aber dem Fischchen passierte nichts. 
Während wir am Fluss saßen, kam der Angler, den wir tags zuvor am Steg getroffen hatten, auf uns zu. Er begrüßte uns freundlich und fragte, ob wir
schon etwas gefangen hätten. „Nein. Und Sie?“ „Auch nichts. Aber ich habe ja gestern gut gefangen“, meinte er und zog weiter. Warum er uns das wohl sagte? Wollte er uns neidisch machen?
Nachdem sich 3 Stunden lang nichts tat, packten wir unsere Sachen wieder ins Auto und fuhren zu unserem Ferienhäuschen zurück, wo wir es uns nach
dem leckeren Abendessen, welches Achim zubereitet hatte, mit einem Glas Weißbier und einem Schnäpschen am Kamin gemütlich machten. „Morgen
wird es bestimmt besser werden. Schließlich haben wir jetzt schon Mai und das Wasser ist etwas wärmer geworden“, meinte ich zu Achim. Ob ich recht behalten sollte?
Fr., 02.05.
An diesem Morgen wurde ich etwas später wach. Am „Angelstress“ konnte es nicht liegen, dass ich mich nicht so frisch fühlte. Eher am Frust.
Es muss wohl die ganze Nacht geregnet haben, denn draußen standen die Pfützen auf der Straße. Aber als ich aufstand war vom
Regen nichts zu sehen. Es blies jedoch – wie konnte es auch anders sein! – wieder mal ein kräftiger Wind.
Ulli hatte uns abends zuvor angerufen und nach unseren Fängen gefragt. „Welche Fänge? Hier ist doch nichts zu holen“, meinte ich
etwas sarkastisch. Ich weiß, dass es ihm auch sehr leid tat, dass wir bisher kaum etwas gefangen hatten, aber ich musste meine
schlechte Laune etwas bessern, indem ich rumknurrte. Er versprach heute morgen kurz bei uns reinzuschauen und uns auf der
Karte weitere gute Fangplätze zu zeigen. Außerdem hatten wir ihn gebeten, uns ein paar der dort fängigen Blinker und Wobbler zu verkaufen. Vielleicht mochten ja die Hechte unsere Kunstköder nicht.
Kurz nach 12 Uhr kam Ulli. Er konnte es einfach nicht verstehen, wieso wir bis jetzt erst einen Hecht gefangen hatten. Er bat uns
um die Seekarte und zeichnete darauf weitere bzw. andere Strecken ein, die er mit seinen Gästen immer fährt, wenn an den
Stellen, die er uns zuerst gezeigt hatte, einfach nichts beißen wollte. „Wenn ihr hier nichts fangt, dann klappt es garantiert dort
oben“, meinte er zu Achim. Anschließend gingen sie zu seinem „Laden“ um die super-fängigen Kunstköder zu holen. Leider hatte
Ulli keinen Firetiger mehr, den er hätte uns verkaufen können, aber da wir ihm wohl so leid taten, lieh er Achim zwei seiner eigenen aus. Der k leine und der große Firetiger seien mit die besten Kunstköder, meinte Ulli. Mit denen hätte er immer garantiert
gefangen.
Nun, das würde sich nachher ja zeigen. Ich gebe zu, dass ich inzwischen schon Zweifel hatte, was unsere eigenen, mitgebrachten Köder anbelangte.
Dabei hatten wir uns vor Antritt der Reise ausgiebig informiert, d.h. Zeitschriften und Bücher gelesen und auch extra noch ein paar Videofilme
über Hechtangeln und Spinnfischen besorgt. Ich war also sehr gespannt, ob es wirklich an der Art der Kunstköder lag. Oder doch an uns?
Schon etwas positiver gelaunt bestiegen wir gegen 13.30 das Boot. Wir fuhren genau zu der Stelle, die Ulli auf der Karte markiert hatte. Schon vor
einigen Tagen hatten wir es dort vergeblich mit Schleppen versucht. Wir waren voller Optimismus ins Boot gestiegen und losgefahren, aber als sich
nach 4 Stunden Schleppfischen nichts tat, kehrte bei mir die schlechte Stimmung zurück. Alle Bedingungen waren an diesem Tag
super: keine Wolken, kein Regen, eine glatte Wasserfläche und Top-Köder! Nur die Fische waren nicht da. So ein Mist! Ich war
stinksauer, ich hatte einfach keinen Bock mehr, nur den Sprit zu verfahren, ohne einen Fisch an den Haken zu kriegen. 
Als wir gegen 19.45 Uhr wieder in unserem Ferienhäuschen ankamen, wartete schon Ulli auf uns. Er schaute uns ungläubig an, als wir ihm
berichteten, dass wir wieder nichts gefangen hätten. Er dachte bestimmt, wir seien zu blöd dazu.
Mittags hatte Ulli noch zu Achim gesagt, dass er uns die Daumen drücken würde, damit wir endlich ein paar Hechte fangen würden, denn inzwischen
befürchtete er, dass ich einen negativen Bericht über den Urlaub am Åsnen reinsetzen würde und ihm daraufhin womöglich die Gäste ausblieben.
In den ersten 3 Tagen dachten Achim und ich ja auch, wir hätten etwas falsch gemacht. Es sind ja so viele Dinge zu beachten, wenn man angeln und auch
fangen will. Es konnte ja sein, dass man die falsche Schnur, das falsche Vorfach oder auch den falschen Köder hatte. Aber Ulli
hatte sich unsere Angelsachen angesehen und uns versichert, dass alles okay sei. Nur verstehen, warum wir keine Hechte fingen, konnte er es auch nicht.
Wir tranken noch zusammen ein Gläschen Obstler und eine Flache Bier, dann verabschiedete sich Ulli von uns. Achim und ich
setzten uns vor den Fernseher, aber so richtig konnten wir uns auf den Krimi nicht konzentrieren. Warum, zum Teufel, fingen wir keine Hechte???
Oerlinghausen, den 28.05.2003
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