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Angelerlebnisse 2006
Teil 5
AB Bootstour auf der Ostsee 18.11.2006
Es ist immer wieder das Gleiche: Wenn es zum Angeln geht überlege ich tage-, wenn nicht gar wochenlang, welche Ruten, Rollen und
Köder ich mitnehmen soll. Besonders dann, wenn es eine Angelart ist die ich noch nicht so gut beherrsche. So ging es mir auch dieses Mal wieder, als wir uns für eine Bootstour in Neustadt/Ostholstein entschieden.
Wir hatten vor einigen Wochen im Forum vom (AB) Anglerboard den Thread “Kleinboot von Neustadt” gelesen, dass Michael, mit dem
wir Pfingsten in der Ostsee geangelt hatten, vorschlug ein paar Boote zu chartern und mit mehreren Leuten in die Lübecker Bucht
hinauszufahren. Erst kamen die Anmeldungen nur zögernd, doch schon bald waren alle 6 gemieteten Boote ausgebucht. In unserem Boot fuhr Stephan mit, den wir zwar noch nicht kannten, aber auf den wir uns schon freuten.
Von Oerlinghausen nach Neustadt dauert die Fahrt mit dem Auto sehr lange. Da die Boote morgens um 7.30 Uhr gemeinsam ablegen
sollten hätten wir sehr früh aufstehen und noch vor 3 Uhr losfahren müssen. Dieser Gedanke behagte mir gar nicht. Vor allen Dingen, weil wir abends gleich wieder heimfahren wollten.
Sonntagabend (5.11.) rief uns Annika aus Hamburg an. Als wir ihr unter anderem von unserer Bootstour am 18.11. erzählten meinte sie
spontan, dass wir doch zu ihr nach Hamburg kommen könnten um dort zu übernachten. Dann hätten wir am anderen Morgen nur eine
Stunde Fahrt bis Neustadt und bekämen noch genügend Schlaf um für den großen Fang ausgeruht zu sein.
Ich war von dieser Idee sofort begeistert und versprach Annika auch schon einige von meinen Weihnachtskeksen, die ich seit einigen
Jahren für Freunde, Verwandte und Bekannte backe und auf die sie sich immer wieder freut, mitzubringen. Leider konnte ich zurzeit nicht
so viele Plätzchen backen wie ich es gerne getan hätte. Ich litt schon seit mehreren Wochen unter einem Golferellenbogen. Trotz Tabletten
, Salben und Akupunktur tat mir mein rechter Arm immer noch weh. Ich war nun schon die 6. Woche krank geschrieben. Trotzdem
wollte ich beim Angeln unbedingt dabei sein, auch wenn ich vielleicht nur zuschauen und nicht selber angeln konnte. Zur Unterstützung
hatte mir mein Orthopäde eine Ellenbogenbandage verschrieben, die ich nun fast ständig trug.
Im Sommer hatte ich für Achim und mich eine neue Rute gekauft. Und zwar die Penn Never Crack in 2,70 m Länge und mit einem
Wurfgewicht von 100 – 400 g. Im Anglerboard hatte jemand diese Rute fürs Pilkangeln in der Ostsee empfohlen. Achim meinte jedoch,
dass diese Rute etwas fürs Großdorschangeln wäre, aber nicht für die geplante Bootstour.
Als der Termin in Neustadt näher rückte flatterte das Sonderheft von Angelsport Schirmer ins Haus. Beim Durchblättern fiel uns die
Balzer Diabolo II Multi Tip Boat Rute ins Auge. Sie hat 3 unterschiedliche Wechselspitzen und es hieß in der Werbung, dass man am
Morgen mit harter Spitze auf Großdorsch, am Nachmittag mit mittlerer Spitze auf Makrelen und Seelachs und am Abend mit der leichten
Spitze auf Plattfisch angeln könnte. Eine Rute für 3 Gelegenheiten! Kurzerhand bestellten wir sie uns übers Internet. Außerdem bestellte
sich Achim noch die Balzer Magna Matrix Soft Pilk Rute in einer Länge von 2,85 m und mit einem WG von 30 – 135 g.
Gleichfalls im Sommer hatte ich uns eine salzwasserresistente Rolle von Balzer gekauft, und zwar die Balzer Matrix Blue Metall 1000. Auf
der Spule hatten wir eine 0,40 mm monofile Schnur. Achim montierte diese Rolle an seine Multi Tip Boat Rute und ich an meine 3 m
lange Balzer Magna Pro Spin Rute. Sie hat ein WG von 30 – 60 g. Außerdem nahm ich eine weitere Balzer Rute mit und zwar die Multi
Match Feederrute mit einer Länge von 2,85 m und einem WG bis 120 g. Auf dieser Rute hatte ich die Balzer Blue Matrix Feederrolle.
Man könnte fast meinen, ich würde hier Werbung für Balzer machen. Aber dem ist nicht so. Wir sind einfach von den neuen Ruten und
Rollen von Balzer begeistert. Natürlich durfte meine inzwischen reparierte Bavaria Stick Rute von DAM, mit der ich schon Pfingsten viele Dorsche und auch auf dem Asnen immer sehr gut gefangen hatte, nicht fehlen.
Als ich Freitagmorgen (17.11.) wieder bei meinem Orthopäden zur Akupunktur war schrieb er mich eine weitere Woche krank. Das
passte mir gar nicht, aber er meinte, solange er die Nadeln setzen würde und ich weiter über Schmerzen klagte sollte ich meinen Arm schonen bzw. nicht am PC arbeiten.
Wir fuhren gegen 17 Uhr Richtung Hamburg, wo wir kurz nach 20 Uhr ankamen. Auf der Autobahn kamen wir in 3 kleinere Staus, die
aber nicht weiter schlimm waren. Doch in Hamburg ging es nur schrittweise voran, denn es war gerade Hamburger Dom, wo alle hinwollten.
Nachdem wir unsere Sachen bei Annika untergebracht hatten gingen wir in eine Pfälzer Stube zum Essen. Gegen 22 Uhr legten wir uns
schlafen und um 5 Uhr klingelte der Wecker. Wir hatten gerade eine Tasse Kaffee getrunken als uns Klaus, ein Teilnehmer der Bootstour
, der ebenfalls in Hamburg wohnt, anrief. Er teilte uns mit, dass kurz vor Lübeck eine Baustelle sei, wo es auch frühmorgens oft einen Stau
gebe. Wir fuhren um 5.45 Uhr los und waren nach einer guten Stunde Fahrt in Neustadt. Michael und einige andere Teilnehmer waren schon bei den Booten. Nach der Begrüßung packten wir unsere Angelsachen aus dem
Wagen und zogen uns sogleich unsere Thermoanzüge an, denn es war an diesem Morgen noch recht kalt.
Wir mussten etwas warten, bis wir unser Boot beladen konnten, denn es war das letzte. Stephan hatte sich bereit erklärt die Rolle des
Kapitäns zu übernehmen, denn er kannte sich in der Lübecker Bucht sehr gut aus. Achim verteilte 3 unserer PMR Walkie Talkie an diejenigen, die keines hatten. So konnten wir uns untereinander verständigen.
Als ich sah, dass Stephan 3 Ruten mit nahm wollte ich ebenfalls meine 3 Ruten mitnehmen, doch Achim meinte, es würde auf dem Boot
zu eng werden. Doch Stephan meinte, ich solle ruhig alle drei einladen. Natürlich war mir klar, dass ich immer nur mit einer Rute würde
angeln können, aber ich konnte mich anfangs noch nicht entscheiden, welche es sein sollte. Also nahm ich sie alle mit.
Endlich hieß es „Leinen los“. Alle Boote fuhren zuerst einmal Richtung Untiefentonne bei Pelzerhagen. Die See war recht unruhig doch
nach einiger Zeit kam sogar die Sonne hervor. Bis wir an der Untiefentonne waren schleppten wir mit Wobblern und Blinkern. Doch keiner von uns bekam einen Biss.
In Pelzerhagen angekommen ließen wir unsere Köder ins Wasser und das Boot treiben. Ich entschied mich zuerst für meine „alte“ gute
Bavaria Stick Rute und einem rot-weiß-blauen Gummifisch. Nach kurzer Zeit fing Achim auf einen 55g weissblauen Pilker einen 50er
Dorsch. Ich probierte es zuerst weiter mit dem Gummifisch, aber als sich dafür kein Fisch interessierte wechselte ich ebenfalls auf Pilker
um. Leider hatten wir keinen weiteren weissblauen mehr, also entschied ich mich für einen rotorangenen. Plötzlich kam über das Walkie Talkie die Meldung, dass es hier von Heringen nur so wimmeln würde.
„Au ja“, dachte ich. „Heringe habe ich auch noch nie gefangen. Das muss ich mal ausprobieren“. Ich holte den Pilker rein und hängte ein
Heringsvorfach in den Wirbel. Kurz darauf spürte ich ein leichtes Zittern in der Rutenspitze. Ich war sehr gespannt, was für ein Fisch am
Haken hing. Es war tatsächlich ein Hering! Als Achim ihn für mich vom Haken gelöst hatte ließ ich meine Montage sofort wieder runter.
Dann ging es Schlag auf Schlag. Immer wieder bissen Heringe an. Achim war schon etwas genervt, als ich ihm meinen Fang immer wieder
vor die Nase hielt und bat die Fische vom Haken zu lösen und in den Drahtsetzkescher zu legen. Etwas später hatten wir beide gleichzeitig einen Biss. Dieses Mal musste ich selber den Fisch vom Haken lösen.
Das Heringsfangen machte riesigen Spaß, doch nach einiger Zeit bemerkten wir, dass wir schon recht nahe ans Ufer getrieben waren.
Also holten wir unsere Montagen rein und fuhren erneut hinaus. Als wir etwas später wieder anhielten um uns driften zu lassen sah ich,
dass Stephan einen Wattwurm auf den Haken montierte. Ich hatte vorher noch nie einen Wattwurm gesehen, geschweige denn einen in
der Hand gehabt. Der Wurm sah am Haken aus wie ein Stück Kindersch…, einfach ekelig. Die Rute mit dem Wattwurm steckte Stephan
in den Rutenhalter hinten beim Motor, mit einer anderen Rute versuchte er ebenfalls Heringe zu fangen.
Nach einiger Zeit hatte Stephan tatsächlich einen Dorsch und mehrere Wittlinge an seiner Wurmrute. Nun nahm Achim auch einen 47g
Buttlöffel aus unserer Meereskiste und zog einen Wattwurm auf den Haken. Es dauerte nicht lange und er fing damit einen schönen
Wittling. Heringe hatte ich inzwischen genug gefangen, nun wollte auch ich gerne einen Wittling oder Dorsch fangen. Da wir keine
Naturködermontagen dabei hatten, und unsere 27g Buttlöffel bei der starken Drift wohl zu leicht sein würden, knüpfte mir Stephan kurzerhand ein Wurmvorfach zusammen. Dann sagte ich zu Achim:
„Schatz, sei so lieb und steck mir bitte einen Wurm auf den Haken. Ich mag die Viecher nicht anpacken.“ „Das kannst du doch wohl selber“ antwortete er.
„Nein. Ja. Aber ich mag die Würmer nicht anfassen. Sie sehen so ekelig aus.“ Achim erbarmte sich meiner und zog einen Wattwurm auf den Haken. Etwas skeptisch schaute ich mir den Köder an bevor ich ihn auf
den Meeresboden runter ließ. „Komisch, das die Fische auf so etwas beißen. Die rühren sich doch kaum“, dachte ich.
Doch kaum hatte der Wurm den Meeresboden erreicht ruckte es in der Rute. „Au fein! Jetzt habe ich auch einen Dorsch dran“, dachte ich.
Ich staunte etwas, als ich sah, dass es kein Dorsch war, der sich den Wattwurm geschnappt hatte. Denn am Haken hing ein Wittling, auch Merlan genannt wird!
„Auch gut“, dachte ich. „So langsam habe ich bald alle Fische die man fangen kann, durch.“
Als wir etwas später unsere Ruten wieder reinholten weil wir weiterfahren wollten, meldete Achim einen außergewöhnlichen Fang: Am Haken hingen zwei Seesterne.
Gegen Mittag war die Sonne weg und es zogen viele dunkle Regenwolken auf. Und mit den Wolken kam auch viel Wind auf, so dass es
auf dem Boot recht ungemütlich wurde. Achim hatte seinen Rucksack unter die mittlere Bank, auf der er saß, gestellt. Durch die hohen
Wellen war viel Wasser ins Boot gelaufen und schon bald stand sein Rucksack ca. 5 cm hoch im Wasser. Auch mein Rucksack, der
neben mir auf der hinteren Bank stand, war nach kurzer Zeit durch und durch nass, vorüber ich etwas zornig war. Als ich dann noch
bemerkte, dass meine Zigarettenschachteln, die ich im Rucksack hatte, ebenfalls nass waren, wurde ich noch zorniger. Auch mein Handy,
welches ich in die Außentasche des Rucksackes gesteckt hatte, fühlte sich recht feucht an. Fische fangen vom Boot aus macht ja großen Spaß, aber wenn alles um einen herum nass wird, hört für mich der Spaß auf.
Gegen 13.00 Uhr hörten wir, über das Walkie Talkie die Nachricht: „In 22 Meter Tiefe werden viele Dorsche gefangen!“
Achim und Stephan beratschlagten sich kurz und beschlossen zu der Stelle zu fahren. Bei dem Wellengang fand ich das eigentlich gar nicht
angebracht, aber da ich noch gar keinen Dorsch gefangen hatte gab ich klein bei. Wir waren gerade auf dem Weg zu der angegebenen
Stelle, als wir hörten, dass die Meldung ein Flop war. Wer von den anderen Anglern dieses Gerücht aufgebracht hatte, fanden wir nicht
heraus. Da wir jetzt aber schon 20 Meter Wassertiefe erreicht hatten, versuchten wir es noch einmal mit schwereren Pilkern. Und wir
hatten Glück! Achim konnte mit einem 95g gelborangenem Falkfish Pilker noch einen 55er Dorsch und einen stattlichen Wittling landen.
Auch Stephan und ich bekamen noch einige Wittlinge an den Haken. Da der Wind aber immer mehr auffrischte, drehten wieder um und machten uns geradewegs auf den Rückweg zum Hafen.
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Videoclip: "Unser Kapitän Stephan fährt uns sicher durch die hohen Brecher zurück in den Hafen"
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Kurz vorher bat Achim Stephan das Boot anzuhalten, damit er die Fische ausnehmen konnte. Als Achim den Setzkescher aus dem
Wasser nahm und ins Boot legte packte er sich zuerst den 55er Dorsch, den er zuletzt gefangen hatte. Er hatte ihn, bevor er ihn vom
Haken löste, mit einigen kräftigen Schlägen auf den Kopf betäubt, doch der Bursche war zäh. Als er wieder zu sich kam muss er wohl
gedacht haben er wäre im Paradies. Im Korb waren viele Heringe und Wittlinge und dem Dorsch fiel nichts Besseres ein, als sich gleich
zwei Heringe einzuverleiben. Aus seinem Maul schauten zwei Schwanzflossen hervor. Er hatte sie aber nicht schlucken können, sondern war – wie es aussah – daran erstickt.
Beim Ausnehmen der Fische gesellten sich auch dieses Mal wieder viele Möwen zu uns. Mit lautem Geschrei stritten sie sich um die Fischreste.
Gegen 14.30 Uhr legten wir im Hafen an. Ich ging zuerst vom Boot. Michael half mir unsere Sachen zum Auto zu tragen. Dabei fiel mir
auf, dass ich die ganze Zeit mit nur einer Rute geangelt hatte. Es war also nicht nötig gewesen drei Ruten mit ins Boot zu nehmen. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!
Zuerst zog ich mir einmal meinen nassen Thermoanzug aus, dann setzte ich mich ins Auto um mir eine Tasse Tee einzugießen. Doch wo
war mein Thermobecher? Ich ging zu Achim und fragte ihn wo mein Kaffeebecher sei. Er wusste es nicht. „Habt ihr denn nicht unter der Persenning nachgesehen? Da habe ich ihn stehen lassen.“
„Nein, das haben wir nicht getan“, antwortete Achim und Stephan. Ich schaute mich nach „unserem“ Boot um und sah, dass es als letztes in der Vierer-Reihe stand. Achim wollte nicht noch einmal ins Boot,
aber Benny erklärte sich auf Bitten von Michael bereit ihn zu holen. Dann tauschten wir mit den anderen Teilnehmern noch unsere
Erlebnisse und Fangergebnisse des Tages aus, und Stephan und Achim bezahlten das Boot und die Wattis im Angeltreff.
Als ich den Tee trank bemerkte ich erst wie erschöpft ich war. Deshalb verabschiedeten wir uns von den anderen Teilnehmern der Tour
und machten uns auf den Heimweg. Während der ganzen Rückfahrt, die relativ schnell vor sich ging, dachte ich nur an ein heißes Bad.
Als wir zuhause waren und alles ausgepackt hatten legten wir die Fische erst einmal in unser Null Grad Kühlfach, denn nun merkte auch Achim wie anstrengend der Tag gewesen war.
Am anderen Morgen hieß es dann die Dorsche und Wittlinge zu filetieren. Bei den Dorschen war das kein Problem, aber bei dem
weichen Fleisch der Wittlinge war es nicht so einfach. Als Achim damit fertig war bereitete ich für uns einen Kartoffelsalat zu, den wir dann abends zu den Wittlingen, die übrigens sehr gut schmeckten, aßen.
Fazit: Es war eine super Bootstour! Sehr gut von Michael vorbereitet, neue nette Leute kennengelernt, das Wetter für Mitte November spielte auch noch mit, viel Spaß und
Fisch, alle Boote sind wieder heil angekommen, was will man mehr..... Trotz der langen Anreise sind wir beim nächsten Mal ganz bestimmt wieder mit dabei.
Oerlinghausen, den 21.11.2006
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